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Meinung Die dominanten Russen
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21:22 14.02.2016
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Eskalationsdominanz ist ein Begriff aus der Konfliktforschung. Wer über Eskalationsdominanz verfügt, hat die Fähigkeit, über die militärische Verschärfung eines Konflikts zu bestimmen. Es geht dabei um die glaubwürdige Androhung des Schreckens, den Willen zur Zerstörung des Gegners.

Auf der Münchner Sicherheitskonferenz präsentierten sich die Russen äußerst dominant. Russlands Premier Dmitri Medwedew sprach von einer „neuen Ära des Kalten Krieges“. Das Verhältnis zur EU sei zerstört. Die Rüstungskontrolle mit den Vereinigten Staaten funktioniere nicht mehr. Ob es den Schock eines dritten Weltkriegs brauche, um die Welt wieder zu vereinen, fragte Medwedew aggressiv und selbstbewusst. Man muss dieses Auftreten nicht mögen, man kann es falsch finden, aber der Erfolg gibt Russland recht. Mit seiner militärischen Intervention in Syrien hat sich Russland zurück an den internationalen Verhandlungstisch gebombt.

US-Präsident Obama, der Russland noch zu Beginn der Ukraine-Krise als Regionalmacht bezeichnet hatte, telefoniert nun mit seinem russischen Amtskollegen wieder auf Augenhöhe.

Auch das wurde in München deutlich: Nach fünf Jahren des Wegschauens, 300.000 Toten, elf Millionen Menschen auf der Flucht, hat Russland mit seiner Intervention den Konflikt in Syrien zwar verschärft, aber eben auch den zaudernden Westen gezwungen, sich zu bewegen. Bis September 2015 wollten sich weder die USA noch die Europäer in Syrien die Finger schmutzig machen oder gar verbrennen. Militärisches Engagement schien ausgeschlossen. Man war der Meinung, der Krieg in Syrien sei nicht mit Waffen zu gewinnen. Nun hat Russland mit vergleichsweise geringem militärischem Einsatz viel erreicht. Putin ist bereit, das Risiko der Eskalation zu tragen – und bestimmt daher bis auf Weiteres die Spielregeln.

Von Ulrike Demmer

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