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Düstere Wolken
 am Ferienhimmel

Kommentar Düstere Wolken
 am Ferienhimmel

Der Wandel in der Reisebranche ist rasant verlaufen: Seit sich jeder billige Flugreisen im Internet buchen kann, bröckeln die Geschäftsmodelle von Tui, Neckermann und Co. Die reagieren mit neuen Konzepten, sollten dabei aber nicht die Passagiere aus den Augen verlieren. Eine Analyse von Jens Heitmann.

Als der Flugverkehr in Teilen Europas letztmalig in Turbulenzen geriet, war der Eyjafjallajökull schuld. Mit seiner Aschewolke hielt der Vulkan im April 2010 Hunderte Maschinen und Millionen Reisende am Boden. Die Isländer sind dafür bis heute dankbar, denn viele Urlauber wurden so auf ihre Insel aufmerksam – seither boomt der Tourismus. Eine Krise kann also auch eine Chance sein. In der aktuellen Ausnahmesituation rund um Tuifly und Air Berlin deutet allerdings wenig darauf hin.

Der Konflikt um die beiden Fluggesellschaften ist mit einer Geschwindigkeit eskaliert, die alle Seiten überrascht – und überfordert. Der Auslöser war der plötzliche Zerfall von Air Berlin, die Ursache aber ist der tief greifende Wandel in der Luftfahrt. Solange sich nur Wohlhabende das Fliegen leisten konnten, war die Welt über den Wolken für alle Beteiligten noch in Ordnung: Die Passagiere genossen Beinfreiheit und gutes Essen, Piloten und Stewardessen hohe Gehälter sowie viel freie Zeit und die Fluggesellschaften fürstliche Renditen.

Irgendwann kam jedoch jemand auf die Idee, dass sich Gewinne noch steigern lassen, wenn man mehr Sitze in die Flugzeuge schraubt und die Ticketpreise senkt. Der Massentourismus zu den Badezielen rund ums Mittelmeer hat Reisekonzerne wie Tui und Neckermann groß gemacht – aber dem Fliegen auch den Nimbus genommen. Airlines wurden austauschbar: Unterschiede signalisieren oft nur noch die Uniformen des Kabinenpersonals.

Vor dem Start der Billigflieger und dem Aufkommen von Internetreiseportalen wie Booking und Expedia konnte den Touristikkonzernen das egal sein: Wer eine Pauschalreise buchte, musste mit den hauseigenen Maschinen nach Mallorca oder Madeira fliegen. Heute hingegen gibt es Alternativen zum Weg ins Reisebüro und dem Vertrag mit einem Veranstalter. Das gefährdet das Geschäftsmodell der Branchengrößen im Kern. Tui-Chef Friedrich Joussen kontert diese Herausforderung mit der Konzentration auf Steine und Stahl: Die Gewinnbringer sollen künftig exklusive Hotels und Kreuzfahrtschiffe sein – denn das können die Billigheimer aus dem Internet nicht bieten. Eine eigene Airline für den Weg zum Ziel hingegen hält der Manager für verzichtbar.

Das bringt Tuifly schon per se in eine prekäre Lage. Der Absturz von Air Berlin verschärft sie, weil noch mehr Kapazität in den Markt drückt. Ob sich all die Maschinen füllen lassen, steht in den Sternen. Dass dies zu Preisen geschehen kann, die das Gehaltsniveau bei Tuifly widerspiegeln, gilt als immense Herausforderung.

In so einer Lage kann man ohne Zweifel krank vor Sorge werden. Doch Leidtragende sind auch die Passagiere, die sich auf einen unbeschwerten Urlaub freuen. Sie aus dem Blick zu verlieren, können sich eigentlich weder die Tui noch ihre Fluggesellschaft leisten.     

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