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Ein Fingerzeig 
für die Wahlkämpfer

Kommentar Ein Fingerzeig 
für die Wahlkämpfer

Die neue Umfrage zur Landtagswahl in Niedersachsen dürften bei einigen für lange Gesichter sorgen. Vor allem zeigt sie: Die beiden großen Blöcke liegen dicht beieinander. So muten die Ergebnisse der Befragung wie ein Appell an: Kümmert euch, liebe Politiker, um die wichtigen Themen. Ein Kommentar von Volker Goebel.

Abgrund? Welcher Abgrund? Wer gedacht hat, Rot-Grün in Niedersachsen habe sich durch die Stockfehler der letzten Wochen und Monate bereits ins politische Aus manövriert, wird durch die jüngste Meinungsumfrage des NDR eines Besseren belehrt. Rot-Grün hat zwar auch danach keine Mehrheit mehr, aber entschieden ist die Wahl noch lange nicht – dazu liegen die beiden großen Parteien und auch die politischen Blöcke viel zu dicht beieinander. Überhaupt sind die Wähler in diesem Tagen offenbar deutlich entspannter als so mancher Wahlkämpfer: Eine klare Mehrheit sieht Anlass zur Zuversicht in Niedersachsen – das ist doch wirklich mal eine gute Nachricht.

Das heißt aber nicht, dass die Menschen im Lande blind für das wären, was um sie herum geschieht. So muss zum Beispiel CDU-Spitzenkandidat Bernd Althusmann zur Kenntnis nehmen, dass die Wähler sich mit ihm längst nicht so wohlfühlen, wie er selbst vielleicht meint. Gleich um zehn Punkte ist der Herausforderer von SPD-Ministerpräsident Stephan Weil in der Gunst des Publikums gesunken. Vielleicht hat sich die Lesart durchgesetzt, dass es nicht eben ein würdiges Schauspiel war, wie die Christdemokraten die abtrünnige Grüne Elke Twesten in ihr Lager zogen und sich so in die Pole-Position für die Macht brachten.

Vor allem aber mangelt es dem CDU-Kandidaten noch an Strahlkraft: Den Niedersachsen wird bisher nicht recht deutlich, was er denn besser machen würde und könnte als Stephan Weil. Seine Kritik am Verhalten der Landesregierung in der VW-Diesel-Affäre ist ebenso wohlfeil wie seine Versprechungen für deutliche Verbesserungen in der Schulpolitik. Wäre Althusmann hier überzeugend, müsste er auf bessere Werte kommen. Vielleicht erinnern sich die Menschen auch daran, dass er einmal Kultusminister war und dabei längst nicht immer alles rund lief. Auch die Umfrage zeigt: Bildung, Schule und Ausbildung sind für die Wähler mit weitem Abstand die wichtigsten Themen. Die Massentierhaltung, die so viel Raum in der Landespolitik einnimmt, rangiert dagegen weit hinten.

So muten die Ergebnisse der Befragung wie ein Appell an: Kümmert euch, liebe Politiker, um das, was uns das Wichtigste ist: um ausreichend Lehrer, um guten Unterricht, um die Zukunft unserer Kinder. Immer wieder hat sich in der Vergangenheit gezeigt, dass das Parteiengezänk Fortschritte in der Bildungspolitik schwierig macht. Was die einen eingeführt haben, schaffen die anderen wieder ab. Auch die Regierung Weil hat in der Schulpolitik nicht geglänzt. Was könnte man erreichen, wenn zumindest die großen Parteien an einem Strang ziehen würden? Die jüngsten Umfragen rücken eine Große Koalition für Niedersachsen in den Bereich des Wahrscheinlichen. Wäre das so schlimm?

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