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Gipfel der Illusion

Klimaschutz Gipfel der Illusion

Am Sonnabend ist in Warschau die Weltklimakonferenz zu Ende gegangen und hat lediglich einen Minimalkonsens erreicht. Die Erwartungen an das Treffen wurden nicht erfüllt. Ein Kommentar von Margit Kautenburger.

Dieses Treffen hat den Aufwand nicht gelohnt. Die Klimakonferenz in Warschau ist zur Farce geraten – auch weil Gastgeber Polen mit seiner gleichzeitig durchgeführten Kohlekonferenz der Welt vor Augen führte, was er von globalem Klimaschutz hält: so gut wie gar nichts. So passte es denn auch, dass die Gipfelteilnehmer zur Begrüßung Stofftaschen mit dem Werbeaufdruck „Lotos“ erhielten, dem Namen einer Ölgesellschaft. Auch China, Japan und Australien standen wieder stur auf der Bremse. Und die EU ist unter diesen Umständen auch nicht bereit, mit gutem Beispiel voranzugehen.

Die Warschauer Konferenz wird als Gipfel des Rollbacks in Erinnerung bleiben. Wohl noch nie haben die Industrienationen ihre Gleichgültigkeit so offen demonstriert. Die Konferenz hat zwar große Worte hervorgebracht, aber kein bisschen Fortschritt produziert. Die entscheidenden Fragen bleiben offen: Wird es Kompensationen für Klimaschäden in Entwicklungsländern geben, und wenn ja, wer zahlt wofür? Auch ein Termin, bis wann einzelne Staaten ihre CO2-Reduktionsziele auf den Tisch legen sollen, bleibt vage.

An Einsicht fehlt es nicht, aber an Willen. Klimaschutz ist für die Staaten nur solange akzeptabel, wie er deren Wirtschaftsinteressen nicht entgegensteht. Das ist nicht nur bei den Hauptverschmutzern USA und China so, sondern auch beim angeblichen Musterknaben Deutschland. Dort bekennt sich der Umweltminister zwar zu strengeren Klimazielen, kämpft aber, wenn es ernst wird, kräftig dagegen, wenn die Autoindustrie betroffen ist. Für diesen Grundkonflikt ist keine Lösung in Sicht. Ein faires, internationales Klimaschutzabkommen, wie es 2015 in Paris beschlossen werden soll, rückt immer mehr in den Bereich der Illusion.

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Von Redakteur Margit Kautenburger