Volltextsuche über das Angebot:

24 ° / 11 ° wolkig
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland RND

Navigation:
Hat die SPD noch Kontakt zur Realität?

Kommentar zu Brennpunktschulen Hat die SPD noch Kontakt zur Realität?

Die Zustände an einigen Kitas und Schulen in Mühlenberg sind schlimm. Noch schlimmer ist aber, wie die Sozialdemokraten reagieren, meint Jutta Rinas.

Voriger Artikel
Wie der Mittelbau im Staat versagt
Nächster Artikel
Hannover spielt in einer anderen Liga
Quelle: Tim Schaarschmidt

Zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit hat jetzt eine Brennpunktschule in Hannover einen Offenbarungseid leisten müssen. Zunächst konnte man in der Peter-Ustinov-Schule erleben, was es bedeutet, wenn Unterricht komplett zusammenbricht. 90 Prozent Migranten gibt es hier, viele Kinder können kaum Deutsch, manche in der Oberschule nicht lesen und schreiben. Diese Woche wurde bekannt, dass es an der Grundschule Mühlenberg nicht nur ähnliche Lernverhältnisse gibt. Das Klima der Gewalt ist so rau, dass Eltern ausgesperrt werden müssen.

Das allein ist schlimm genug. Schlimmer ist, wie die Partei reagiert, die federführend für all die Missstände verantwortlich ist: die SPD. Kommune und Land arbeiteten eng zusammen, man sei auf dem richtigen Weg, ist von Kultusministerin Frauke Heiligenstadt zu hören. Der Landtagsabgeordnete Stefan Politze (SPD) setzt noch eins drauf: Er unterstellt im Ernst eine Pressekampagne, die der CDU eine Steilvorlage für den Wahlkampf liefere, und beschwert sich, dass unerwähnt bleibt, was seine Partei in Mühlenberg leiste. Er verschweigt, dass beide Schulen und die Kita am Canarisweg, in der Kinder jahrelang den Abfall vom Balkon von Anwohnern fürchten mussten, intern Brandbriefe schrieben, bevor sie die Öffentlichkeit suchten. Politze erwähnt auch nicht, dass seine Partei, die sich seit Jahren für die Ganztagsschule einsetzt, es jetzt zum wiederholten Mal hinnimmt, dass die Grundschule Mühlenberg nicht sofort eine wird. Versuche des Bezirksrats, dies zu erreichen, verhallen weiter oben seit Jahren ungehört.

Wer trotz inakzeptabler Zustände in drei Bildungsinstitutionen in seinem Stadtteil nicht mehr zu bieten hat als ein „Weiter so!“, wer sich dazu immer noch mit eigenen Scheinerfolgen brüstet, zeigt, dass er den Kontakt zur Realität in seinem Stadtteil verloren hat.

Die Kinder der Kita Canarisweg dürfen nicht auf dem Außengelände spielen, weil Mieter von oben Müll auf sie werfen

Zur Bildergalerie

Es reicht auch nicht, Fehler einzuräumen, wie Hannovers SPD-Chef Alptekin Kirci es tut. Nötig ist die Einsicht, dass es in Mühlenberg mehr braucht, als einzelne Löcher zu stopfen. Die Folgen von Armutszuwanderung und Flüchtlingskrise sind in Kitas und Schulen in Hannovers ärmstem Stadtteil angekommen. Sie haben das Fass zum Überlaufen gebracht. Es mutet angesichts solcher Probleme in einem hannoverschen Stadtteil grotesk an, dass die SPD auf Bundesebene ausgerechnet mit einem Plädoyer für bessere Kitas und Schulen in den Wahlkampf geht. Aber: Die Partei kann an einer Kita, einer Grundschule und einer Oberschule in Mühlenberg jetzt beweisen, was von solchen Versprechungen zu halten ist.

Zu sehen ist davon bislang nichts.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Meinung