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Nicht nur die US-Soldaten sind betroffen, sondern auch die Bundeswehr. Die Zahl der psychischen Erkrankungen und Selbstmorde von Soldaten ist verstörend. Ein Kommentar von Gabi Stief.

Der Befund ist verstörend: Im vergangenen Jahr überstieg die Zahl der Selbstmorde unter US-Soldaten die Zahl der in Afghanistan Gefallenen. Amerika, sagen manche, ist weit weg. Doch eine neue Studie der TU Dresden zeigt, wie stark mittlerweile auch die Bundeswehr betroffen ist. Der Wehrbeauftragte klagt über die steigende Zahl „einsatzbedingter psychischer Erkrankungen“. Nun gibt es den wissenschaftlichen Nachweis, dass Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) überschätzt und andere psychische Erkrankungen wie Depressionen und ­Alkoholabhängigkeit unter Soldaten als Folge von Auslandseinsätzen unterschätzt werden.

Zwei Erkenntnisse der Studie sollten den Verantwortlichen im Verteidigungsministerium eine Mahnung sein. Zum einen stellten die Forscher fest, dass die Dunkelziffer sehr hoch ist. Viele Soldaten verschweigen ihre psychischen Probleme, statt professionelle Hilfe zu suchen. Klarer Fall: Die Betroffenen haben Angst um ihre Karriere. Die Lösung? Die Bundeswehr muss die Möglichkeit schaffen, dass sich Soldaten unter Zusicherung der Anonymität offenbaren können.

Zum anderen ergab die Dresdener Untersuchung, dass jeder fünfte Soldat bereits vor dem Einsatz unter einer psychischen Störung litt. Da geht es der Bundeswehr nicht besser als anderen Arbeitgebern. Auch dieser Befund legte neue Verfahrensweisen nahe: Wer Menschen in Kriegseinsätze schickt, sollte vorab auch ihre seelische Eignung prüfen. Wie man das macht, ist längst kein Geheimnis mehr. Es gibt viele Methoden, psychische Erkrankungen zu erkennen. Warum mussten erst Forscher diese Form der Vorsorge einfordern? Die Antwort des Ministeriums bleibt unbefriedigend: Man müsse erst „die Auswertung eines Pilotprojekts abwarten“, hieß es am Dienstag.

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Nach dem Auslandseinsatz
Foto: Laut einer Studie der TU Dresden liegt die Zahl unentdeckter psychischer Erkrankungen bei Bundeswehrsoldaten nach Auslandseinsätzen bei fast 50 Prozent.

Neues Gutachten belegt: Viele Bundeswehrsoldaten kommen krank aus dem Einsatz zurück. Aus Angst vor Beendigung der Karriere behalten sie ihr Leid für sich.

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