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Mit Trump 
gegen die Wand

Kommentar Mit Trump 
gegen die Wand

Die Republikaner müssen nach dem Sieg von Donald Trump bei den Vorwahlen sehen, wie sie mit seiner Politik klar kommen. Der Präsidentschaftskandidat hält sich nicht mit Details auf – er will mit dem Kopf durch die Wand, auf allen Feldern der Politik. Eine Analyse von Stefan Koch.

Für die US-Republikaner beginnen die wichtigsten Wochen ihrer jüngeren Geschichte. Nach dem Sieg von Donald Trump in den Vorwahlen starten die Oberen der „Grand Old Party“ nun letzte verzweifelte Versuche, die seriöse, der Welt zugewandte Politik ihrer traditionsreichen Partei mit dem neuen Populismus des schillernden Geschäftsmanns Trump irgendwie unter einen Hut zu bekommen. Es könnte gut sein, dass dieses Vorhaben scheitert.

Mit hergebrachten politischen Gesetzmäßigkeiten hat Trump sich nie lange aufgehalten. Im Gegenteil. Er pfeift ausdrücklich auf alle Vorschläge zu Ausgleich und Mäßigung. Immer wieder quält er damit seine eigene Partei. Mal segelt er weit rechts, etwa wenn er, wie am Wochenende, vor jubelnden Vertretern der Waffenlobby dazu rät, die Amerikaner sollten sich im Zweifel privat eher noch mehr bewaffnen als bisher. Mal blinkt er aber auch links, etwa wenn er mit leichter Hand verspricht, Sozialleistungen zu erhöhen. Exportstarke US-Konzerne und auch die Wall Street runzeln die Stirn angesichts von Trumps Philosophie, wonach man keine Freihandelsabkommen brauche. Die Außenpolitiker der Republikaner kommen ins Schwimmen angesichts der Trump-Ansage, Militäreinsätze im Ausland hätten ihre Zeit gehabt, sie seien inzwischen einfach zu teuer.

Der Präsidentschaftskandidat hält sich nicht mit Details auf – er will mit dem Kopf durch die Wand, auf allen Feldern der Politik. Die starke Geste des Populisten, darin liegt das Drama der Republikaner, bleibt unwidersprochen – wegen der Schwäche aller anderen Figuren in der Partei. Auch einem im Kongress so einflussreichen Republikaner wie Paul Ryan fehlt in der laufenden nationalen Debatte die Kraft zum Gegensteuern. Die Erwiderungen auf Trump kommen zu spät, und sie klingen zu kompliziert. Vor allem die weißen Arbeiter und die Landbewohner sind es, die jetzt dem Anti-Politiker Trump zujubeln. Er gibt den Verlierern der Globalisierung eine Stimme – auch wenn er selbst keine seriöse Lösung bietet.

Mauern an der Grenze zu Mexiko oder Schutzzölle auf Produkte aus China bringen die Fabriken des 20. Jahrhunderts nicht zurück. Im 21. Jahrhundert lassen sich die Chancen auf einen besseren Job nur durch bessere Bildung erhöhen. Gerade in den Vereinigten Staten von Amerika, die die weltbesten Universitäten beherbergen und zugleich in einigen Bezirken katastrophal schlechte öffentliche Schulen hinnehmen, ließe sich da vieles verbessern. Doch Trump hat bisher nicht ein einziges Wort über duale Bildungssysteme, die Unterstützung von Kindern aus einkommensschwachen Familien oder die Möglichkeiten einer neuen Ausbildung im fortgeschrittenen Alter gesprochen. Stattdessen fährt der Kandidat seine Partei konzeptionell gegen die Wand. Die Frage ist nur, ob sich dies schon vor oder nach der Wahl am 8. November herumsprechen wird.     

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