Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meinung Naher Osten wird zum politischen Schlachtfeld
Nachrichten Meinung Naher Osten wird zum politischen Schlachtfeld
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 24.01.2016
Von Stefan Koch
Anzeige

Das Pentagon setzt auf eine neue Wortwahl. Die US-Luftwaffe nimmt im Nahen Osten nicht so sehr Terroristen ins Visier, sondern vor allem Kriminelle. Ihre Gegner sollten nicht zu Milizen eines „Islamischen Staates“ hochstilisiert werden – sie sind zuallererst Banden des organisierten Verbrechens, die sich eher mit der Drogenmafia in Mittelamerika als mit „Gotteskriegern“ vergleichen lassen.

Der neue Fokus auf Polizeimethoden zeigt nun erste Wirkung: Dem IS geht offenbar das Geld aus. Die selbst ernannten Prediger müssen den Sold ihrer Mittäter halbieren. Auf breiter Front treten sie den Rückzug an. Die Turbulenzen innerhalb des vermeintlichen Kalifats dürften eine unmittelbare Folge der jüngsten Angriffe sein.

Ölförderstellen, Raffinerien und Bargelddepots stehen endlich ganz oben auf der Liste der Ziele, die zerstört werden. Mit den Schmugglerrouten versiegen die Reserven der Täter. Getroffen werden damit nicht nur die ökonomischen Grundlagen der Räuberbanden, sondern auch ihr Mythos: Die IS-Leute sind weder unbesiegbar noch besonders hoch motiviert. Sie haben sich lediglich ein Machtvakuum nach dem Rückzug der US-Truppen zunutze gemacht.

Zur Wahrheit gehört allerdings, dass es in erster Linie ökonomische Zwänge sind, die den Banden ihren beständigen Zustrom an Kämpfern bescheren. Die sunnitischen Araber, die dem schwarzen Banner bereitwillig folgen, sehen für sich und ihre Familien in einer schiitisch dominierten Regierung in Bagdad wenig Perspektiven.

Die größte Herausforderung für die internationale Gemeinschaft ist im Nahen Osten daher nicht das militärische, sondern das politische Schlachtfeld. Gefragt ist eine tragfähige Lösung: Nur wenn eine ausgewogene Nachkriegsordnung die feindlichen Kämpfer überzeugt, kann der Frieden dauerhaft gelingen.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Vor den drei Landtagswahlen Mitte März wird die AfD zwischen 10 und 15 Prozent gehandelt. Das ist ein Alarmzeichen, Rechtspopulismus ist salonfähig geworden. Für die Demokraten gibt es nur einen Weg, darauf zu reagieren: Sie müssen sich damit auseinandersetzen – und dürfen die Partei nicht von TV-Debatten ausschließen. i

Klaus Wallbaum 24.01.2016
Meinung Kommentar zum Weltwirtschaftsforum - Tsipras in Not

Am Mittwoch reist der griechische Regierungschef Alexis Tsipras zum Weltwirtschaftsforum nach Davos in die Schweiz. Es ist sein erster Auftritt dort, fast auf den Tag ein Jahr nach dem ersten Wahlsieg seines Linksbündnisses Syriza. Ein Kommentar von Gerd Höhler.

22.01.2016

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) hat am Dienstag noch einmal dazu aufgerufen, Drohungen und strafbare Inhalte bei Facebook nicht hinzunehmen. Wer aber auf Facebook ein Profil hat, bewegt sich in einer durch Algorithmen personalisierten Blase, durch die es für die Gesellschaft zunehmend unmöglich wird, eine gemeinsame Diskussionsgrundlage zu finden. Eine Analyse von Dirk Schmaler. 

22.01.2016
Anzeige