Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Naher Osten wird zum politischen Schlachtfeld

Kommentar Naher Osten wird zum politischen Schlachtfeld

Die IS-Leute sind weder unbesiegbar noch besonders hoch motiviert. Sie haben sich lediglich ein Machtvakuum nach dem Rückzug der US-Truppen zunutze gemacht. Dennoch ist für die internationale Gemeinschaft die größte Herausforderung im Nahen Osten nicht das militärische Schlachtfeld. Ein Kommentar von Stefan Koch.

Das Pentagon setzt auf eine neue Wortwahl. Die US-Luftwaffe nimmt im Nahen Osten nicht so sehr Terroristen ins Visier, sondern vor allem Kriminelle. Ihre Gegner sollten nicht zu Milizen eines „Islamischen Staates“ hochstilisiert werden – sie sind zuallererst Banden des organisierten Verbrechens, die sich eher mit der Drogenmafia in Mittelamerika als mit „Gotteskriegern“ vergleichen lassen.

Der neue Fokus auf Polizeimethoden zeigt nun erste Wirkung: Dem IS geht offenbar das Geld aus. Die selbst ernannten Prediger müssen den Sold ihrer Mittäter halbieren. Auf breiter Front treten sie den Rückzug an. Die Turbulenzen innerhalb des vermeintlichen Kalifats dürften eine unmittelbare Folge der jüngsten Angriffe sein.

Ölförderstellen, Raffinerien und Bargelddepots stehen endlich ganz oben auf der Liste der Ziele, die zerstört werden. Mit den Schmugglerrouten versiegen die Reserven der Täter. Getroffen werden damit nicht nur die ökonomischen Grundlagen der Räuberbanden, sondern auch ihr Mythos: Die IS-Leute sind weder unbesiegbar noch besonders hoch motiviert. Sie haben sich lediglich ein Machtvakuum nach dem Rückzug der US-Truppen zunutze gemacht.

Zur Wahrheit gehört allerdings, dass es in erster Linie ökonomische Zwänge sind, die den Banden ihren beständigen Zustrom an Kämpfern bescheren. Die sunnitischen Araber, die dem schwarzen Banner bereitwillig folgen, sehen für sich und ihre Familien in einer schiitisch dominierten Regierung in Bagdad wenig Perspektiven.

Die größte Herausforderung für die internationale Gemeinschaft ist im Nahen Osten daher nicht das militärische, sondern das politische Schlachtfeld. Gefragt ist eine tragfähige Lösung: Nur wenn eine ausgewogene Nachkriegsordnung die feindlichen Kämpfer überzeugt, kann der Frieden dauerhaft gelingen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Meinung