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Nichts Neues für Herrenhausen

Kommentar Nichts Neues für Herrenhausen

Oberbürgermeister Stefan Schostok will beweisen, dass die Herrenhäuser Gärten zu Recht Chefsache sind, und legt dem Rat ein Paket von Ideen auf den Tisch. Die Aufmerksamkeit ist gut, doch die meisten Ideen sind nicht neu, meint Andreas Schinkel.

Seit Jahren wollen alle nur das Beste für Herrenhausen – und genau da liegt das Problem. Etliche Verantwortliche zerbrechen sich die Köpfe über Hannovers touristische Hauptattraktion, kommen aber nicht auf einen Nenner. Der städtischen Gartenverwaltung geht es vor allem um den Erhalt der historischen Anlage. Sie handelt nach der Devise: viel Ruhe für die Pflanzen, wenig Rummel durch Veranstaltungen. Kulturamt und Tourismusmanagement sehen das genau umgekehrt. Die divergierenden Interessen soll ein „Herrenhausen-Manager“ ausgleichen, so hat es sich die Ratspolitik jahrelang gewünscht. Diese Rolle traut sich jetzt Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD) zu.

Schostok hat alle Belange rund um die Herrenhäuser Gärten zur Chefsache erklärt und will sie jetzt in einem eigens gegründeten Ausschuss behandeln. Gleich in der ersten Sitzung legt er ein mehrseitiges „Arbeitsprogramm“ für die Gärten vor. Das wirkt innovativ und tatkräftig, doch bei näherem Hinsehen finden sich in dem Papier viele alte Ideen.

Schostok will die Herrenhäuser Gärten zu einer Ganzjahresattraktion machen. Daran hat sich vor drei Jahren schon das städtische Tourismusmanagement versucht und von einem „Ganzjahresevent“ gesprochen. Damals glaubte man noch, dass das Schlossmuseum Herrenhausen die jahreszeitliche Lücke schließen würde und Gäste im Winter anlockt, doch die Erwartungen wurden enttäuscht. Die Besucherzahl des Museums brach im vergangenen Jahr dramatisch ein. Wenn Schostok jetzt vorschlägt, ein neues Schauhaus im Berggarten zu bauen, zeigt das zugleich, dass das Schlossmuseum als Anziehungspunkt gescheitert ist.

Im neuen Schauhaus könnten nicht nur botanische Sonderausstellungen gezeigt werden, sondern auch tropische Schmetterlinge herumflattern, meint der Oberbürgermeister. Tatsächlich diskutieren die Freunde der Herrenhäuser Gärten seit sieben Jahren über ein neues Ausstellungshaus. Der Verein hatte sogar Geld gesammelt, musste aber feststellen, dass Schauhäuser mit niveauvoller Architektur Millionensummen verschlingen. Wie Schostok die Kostenhürde angesichts hoher Defizite in der Stadtkasse überspringen will, bleibt in seinem Programm unklar.

Das Gartentheater umzubauen und in seinen ursprünglichen Zustand zu versetzen, wie Schostok weiter vorschlägt, ist ebenfalls keine brandneue Idee. Bereits zu Zeiten von Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg wurde darüber nachgedacht, das Theater neu zu gestalten. Damals wollte man ein Zeltdach über Bühne und Zuschauerränge ziehen, um die Aufführungen vor dem Wetter zu schützen. Der Denkmalschutz schob dem Ganzen einen Riegel vor. Am Ende nahm man auch davon Abstand, das Theater umzubauen. Die historische Vorlage hätte sich nicht mit den Fluchtwegvorgaben vertragen; die Zahl der Zuschauerplätze wäre deutlich reduziert worden. Schostok aber betont, dass das Gartentheater nach dem Umbau etwa die gleich Zuschauerzahl fasst.

Ideen zur Aufwertung müssen nicht schlecht sein, nur weil sie lange in der Schublade lagen. Herrenhausen ist Hannovers wichtigste Attraktion. Daher ist es grundsätzlich zu begrüßen, dass Hannovers Oberbürgermeister seine Aufmerksamkeit auf Herrenhausen richtet. Dennoch verdichtet sich der Eindruck, dass bei seinem Programm die Symbolkraft überwiegt. Schostok will die erste Sitzung seines Ausschusses mit einem Paukenschlag beginnen und zeigen, dass er die Ärmel hochkrempelt. Bisher hat er aber nur eine Triangel angetippt.

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Herrenhäuser Gärten

Das Vorhaben der Stadt, die Herrenhäuser Gärten weiter zu stärken, findet überwiegend Zustimmung in der Ratspolitik. „Die Ideen sind gut, aber an der Umsetzung dürfte es hapern“, sagt CDU-Kulturexperte Oliver Kiaman. Damit meint er vor allem den Bau eines neuen Schauhauses im Berggarten, den die Stadtverwaltung in Erwägung zieht.

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