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Qualität geht 
auch ohne Quote

Kommentar Qualität geht 
auch ohne Quote

Die EU-Kommission will amerikanische Videoportale wie Amazon und Netflix zwingen, mehr europäische Filme und Serien zu zeigen. Nützen wird dies wenig. Vielmehr zeigt der internationale Erfolg britischer und skandinavischer Serienmacher, wie es geht. Am Ende wird sich Qualität durchsetzen. Ein Kommentar von Imre Grimm.

Die EU-Kommission will amerikanische Videoportale wie Amazon und Netflix zwingen, mehr europäische Filme und Serien zu zeigen. Dabei übersieht sie entscheidende Punkte: Niemand hat ein größeres Interesse daran, in Europa europäische Geschmäcker zu bedienen als Netflix und Amazon selbst. Zweitens hat erzwungener Kulturproporz noch nie für eine höhere Qualität gesorgt. Und drittens zeigte zuletzt die alte, unselige Debatte um die Radioquote für mehr deutschsprachige Musik, wie überflüssig staatliche Lenkungsversuche in der demokratisierten Welt der Kunst sind: Sie wurde in dem Moment überflüssig, als deutschsprachige Künstler ganz von selbst durch massentauglichen, glaubwürdigen, professionellen Pop einen nachhaltigen Boom auslösten.

In einer globalisierten Medienwelt ist es niemandem verboten, gutes Fernsehen zu machen – auch nicht europäischen Sendern und Produktionsfirmen. Im Gegenteil: Die Marktchancen für hochqualitatives Erzählfernsehen waren nie so gut wie heute. Das zeigen die Erfolge britischer und skandinavischer Serienmacher, die sich ganz ohne EU-Flankenschutz auf dem TV-Weltmarkt behaupten. Die Zahl der Abnehmer steigt, die Nachfrage ebenso. Das Ziel von Netflix und Co. ist weder Kulturimperialismus noch amerikanisches oder europäisches Fernsehen, sondern gutes, auch gut zu verkaufendes Fernsehen. Sie kennen die Vorlieben des europäischen Publikums sehr genau – möglicherweise genauer als die EU-Kommission. Die Zahl europäischer Produktionen der Streaminganbieter wächst, gerade ist mit „Marseille“ die erste in Frankreich produzierte Netflix-Serie gestartet, im November folgt die britische Reihe „The Crown“, 2017 die deutsche Netflix-Serie „Dark“. Am Ende wird sich Qualität durchsetzen. Und das ist allemal besser als politisch durchgedrückte Mittelmäßigkeit.

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