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Sparkasse auf Zukunftssuche

Kommentar Sparkasse auf Zukunftssuche

Die Zeiten, wo jedes Dorf mit paar tausend Einwohnern eine Bankfiliale hatte, sind vorbei. Die Digitalisierung ist in der Bankenwelt angekommen. Die Sparkasse Hannover schließt Filialen, baut Personal ab und setzt auf das Internet. Aber die Branche hat zu zögerlich auf den Wandel reagiert. Ein Kommentar von Albrecht Scheuermann.

Wie sieht sie aus, die Zukunft der Sparkassen? Klar ist: Es wird eine Zukunft mit weniger Filialen, weniger Beschäftigten und mehr Internet sein. Donnerstag will der Vorstand der Sparkasse Hannover konkret mitteilen, wie das gehen soll. Klar ist auch: Es gibt keinen Weg daran vorbei.

Was Deutschlands fünftgrößte Sparkasse verkündet, passt zu den Nachrichten, die in in jüngster Zeit aus der Branche kommen: Die Deutsche Bank und die Commerzbank streichen Tausende von Stellen, in Holland plant die ING ebenfalls drastische Sparmaßnahmen. Und so wird es weitergehen. Die Geldbranche steckt derzeit in einer Umwälzung, die ihr Gesicht völlig verändern wird. Das hat Konsequenzen für die Beschäftigten, aber auch für die Kunden: Die Zeit, als in fast jedem Ort mit ein paar tausend Einwohnern eine Bankfiliale zu finden war, geht zu Ende. Vielen Kunden und Kommunalpolitikern wird das überhaupt nicht gefallen, aber der Trend ist unaufhaltsam.

Gerade regionale Institute mit einem bislang dichten Zweigstellennetz stehen unter starkem Druck. Das ist auch eine Spätfolge der Weltfinanzkrise, die 2008 die Märkte ins Chaos stürzte. Die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank lässt die Erträge schrumpfen, zugleich müssen Banken auf Geheiß der Bankenregulierer mehr Eigenkapital bilden – was voraussetzt, dass sie ausreichend Gewinn machen. Dazu kommen etliche neue Regeln, die es früher nicht gab. Auch das kostet Geld.

Das ist die eine Seite. Dazu kommt: Die Banken stecken mitten im Strudel der Digitalisierung. Einige Branchen haben das bereits durchgemacht, anderen steht es noch bevor – die Geldhäuser sind zum Handeln gezwungen. Das Internet verändert auch die Art, wie wir Bankgeschäfte betreiben: Heute kann ein Kunde mit dem Smartphone nahezu alles erledigen, weswegen er früher die Filiale aufsuchte. Bargeld verliert an Bedeutung, das Handy wird zur elektronischen Geldbörse. Die Technik ermöglicht es auch branchenfremden Anbietern, in bisherige Domänen der Banken und Sparkassen einzudringen – zum Beispiel im Zahlungsverkehr, wo Dienstleister wie Paypal heute große Marktanteile erobert haben.

Die Branche hat viel zu zögerlich auf den Wandel reagiert: Statt sich selber an die Spitze der Bewegung zu stellen, hat sie zu lange nur beobachtet, wohin sich die Märkte entwickeln. Gerade die Sparkassen sind stark in der Defensive, was auch an den hergebrachten Strukturen liegt. Sparkassen-Vorstände und Kommunalpolitiker wehren sich häufig im Schulterschluss mit den Gewerkschaften gegen die notwendigen Entscheidungen. Das ist kurzsichtig. Den großen Herausforderungen wird sich in den nächsten Jahren kein Institut entziehen können. Augen zumachen und hoffen, dass alles wieder besser wird, hilft jedenfalls nicht.

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