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Sport braucht 
mutiges Zeichen

Kommentar Sport braucht 
mutiges Zeichen

Für die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) hat Russland Doping staatlich und systematisch gefördert. Dem Land droht nun der Ausschluss von den Olympischen Spielen. Das wäre ein mutiges Zeichen – und ein Versuch, die Glaubwürdigkeit des Sports wieder herzustellen. Ein Kommentar von Manuel Behrens.

Deutschlands stärkster Mann hat kürzlich einen ebenso traurigen wie realistischen Satz gesagt. Er sei schon oft Fünfter oder Dritter geworden, erklärte Gewichtheber Almir Velagic – hätten andere nicht gedopt, wäre es vielleicht öfter mal Platz eins gewesen. Velagic ist nicht der einzige Athlet, der für seine Leistungen erst Monate nach dem Wettkampf mit einer Medaille geehrt wurde – per Post, ohne Hymne, Treppchen und Applaus, weil ein zuvor Stärkerer des Dopings überführt worden war.

Am Montag haben die Ermittler der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) offengelegt, dass in Russland Doping staatlich und systematisch gefördert wurde. Moskaus Sportministerium habe die Manipulationen „geleitet, kontrolliert und überwacht“, der Inlandsgeheimdienst sei involviert gewesen, heißt es. Allein bei den Winterspielen in Sotschi sollen 15 russische Medaillengewinner gedopt gewesen sein.

Tausende Dokumente und Dateien haben die Wada-Ermittler um Richard McLaren gefunden, sie haben aus Vermutungen Fakten geschaffen, die nun beim Internationalen Olympischen Komitee auf dem Tisch liegen. Vermutlich heute, knapp drei Wochen vor den Olympischen Spielen, wird das Komitee entscheiden, ob eine ganze Nation von den Spielen ausgeschlossen wird.

Schneller, höher, stärker lautet das olympische Motto, das Pierre de Coubertin 1894 ausgab. Leider gilt das seit Langem auch in vielen Dopinglaboren, die Athleten mit unerlaubten Mitteln stark machen. Ein übliches Vorgehen nicht nur in Russland, sondern auch in Kenia, Bulgarien, Aserbaidschan, der früheren DDR – je nach Sportart lassen sich viele Beispiele finden. Im Wettkampf mit den Betrügern liefen die Ermittler der Wada oft hinterher. Auch weil dem Internationalen Olympischen Komitee der feste Wille fehlte, gegen den Dopingsumpf konsequent vorzugehen.

Jetzt ist dieser Wille endlich da. Die „härtesten Sanktionen gegen jede beteiligte Person oder Organisation“ kündigte IOC-Präsident Thomas Bach Montag an. Ungewohnt markige Worte von dem Mann, der noch kürzlich meinte, man könne einen Badmintonspieler nicht für Manipulationen eines Laborleiters bestrafen.

Natürlich ist es nicht fair, wenn auch saubere russische Athleten zu Hause bleiben müssen. Aber wenn ein Land nachweislich systematisch manipuliert und betrogen hat, dann bleibt am Ende nur die Möglichkeit der Kollektivstrafe.
Ein Ausschluss Russlands wäre daher ein mutiges Zeichen – und ein Versuch, die Glaubwürdigkeit des Sports wieder herzustellen. Um Dopingsünder abzuschrecken, sind offenbar derart harte Konsequenzen nötig. Denn nur so lässt sich verhindern, dass am Ende Betrüger auf dem Treppchen stehen – und Medaillen später per Post verschickt werden.

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