Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meinung Sport braucht 
mutiges Zeichen
Nachrichten Meinung Sport braucht 
mutiges Zeichen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
02:15 21.07.2016
Anzeige

Deutschlands stärkster Mann hat kürzlich einen ebenso traurigen wie realistischen Satz gesagt. Er sei schon oft Fünfter oder Dritter geworden, erklärte Gewichtheber Almir Velagic – hätten andere nicht gedopt, wäre es vielleicht öfter mal Platz eins gewesen. Velagic ist nicht der einzige Athlet, der für seine Leistungen erst Monate nach dem Wettkampf mit einer Medaille geehrt wurde – per Post, ohne Hymne, Treppchen und Applaus, weil ein zuvor Stärkerer des Dopings überführt worden war.

Am Montag haben die Ermittler der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) offengelegt, dass in Russland Doping staatlich und systematisch gefördert wurde. Moskaus Sportministerium habe die Manipulationen „geleitet, kontrolliert und überwacht“, der Inlandsgeheimdienst sei involviert gewesen, heißt es. Allein bei den Winterspielen in Sotschi sollen 15 russische Medaillengewinner gedopt gewesen sein.

Tausende Dokumente und Dateien haben die Wada-Ermittler um Richard McLaren gefunden, sie haben aus Vermutungen Fakten geschaffen, die nun beim Internationalen Olympischen Komitee auf dem Tisch liegen. Vermutlich heute, knapp drei Wochen vor den Olympischen Spielen, wird das Komitee entscheiden, ob eine ganze Nation von den Spielen ausgeschlossen wird.

Schneller, höher, stärker lautet das olympische Motto, das Pierre de Coubertin 1894 ausgab. Leider gilt das seit Langem auch in vielen Dopinglaboren, die Athleten mit unerlaubten Mitteln stark machen. Ein übliches Vorgehen nicht nur in Russland, sondern auch in Kenia, Bulgarien, Aserbaidschan, der früheren DDR – je nach Sportart lassen sich viele Beispiele finden. Im Wettkampf mit den Betrügern liefen die Ermittler der Wada oft hinterher. Auch weil dem Internationalen Olympischen Komitee der feste Wille fehlte, gegen den Dopingsumpf konsequent vorzugehen.

Jetzt ist dieser Wille endlich da. Die „härtesten Sanktionen gegen jede beteiligte Person oder Organisation“ kündigte IOC-Präsident Thomas Bach Montag an. Ungewohnt markige Worte von dem Mann, der noch kürzlich meinte, man könne einen Badmintonspieler nicht für Manipulationen eines Laborleiters bestrafen.

Natürlich ist es nicht fair, wenn auch saubere russische Athleten zu Hause bleiben müssen. Aber wenn ein Land nachweislich systematisch manipuliert und betrogen hat, dann bleibt am Ende nur die Möglichkeit der Kollektivstrafe.
Ein Ausschluss Russlands wäre daher ein mutiges Zeichen – und ein Versuch, die Glaubwürdigkeit des Sports wieder herzustellen. Um Dopingsünder abzuschrecken, sind offenbar derart harte Konsequenzen nötig. Denn nur so lässt sich verhindern, dass am Ende Betrüger auf dem Treppchen stehen – und Medaillen später per Post verschickt werden.

Nach dem Putsch führt der türkische Präsident Erdogan einen Schlag gegen die Justiz. Der Staatschef, eben noch widerrechtlich bedrängt, ist nun seinerseits dabei, den Rechtsstaat eigenhändig zu zerschmettern: Putsch gegen Putsch. Die Nato-Staaten und die EU müssen jetzt alles tun, um in Ankara die Notbremse zu betätigen. Eine Analyse von Matthias Koch.

Matthias Koch 20.07.2016

Gesperrte Strecken, überlastete Umleitungen: Hannover ächzt derzeit unter der Vielzahl an Straßenbaustellen. Da tröstet es wenig, dass der Höhepunkt noch gar nicht erreicht ist. Trotzdem hat die Bauwut auch ihr Gutes, meint Conrad von Meding.

Conrad von Meding 20.07.2016

Boris Johnson muss sich in seinem neuen Amt als britischer Außenminister dringend ändern. Zurückhaltung, Sachkenntnis und Ernsthaftigkeit sind auf dem diplomatischen Parkett gefragt. Doch dass der Opportunist wandlungsfähig ist, hat die Vergangenheit gezeigt. Eine Analyse von Katrin Pribyl.

17.07.2016
Anzeige