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Terror und Gelassenheit

Kommentar Terror und Gelassenheit

Es gab es Befürchtungen, dass Terroristen die Weihnachtsmärkte ins Visier nehmen, nun sind es die Silvester-Partys. Den Deutschen ist die Gefahr bewusst, aber sie reagieren gelassen und besuchen weiter Fußballspiele und Konzerte. Das ist gut, denn Terror ist ein Spiel mit der Angst. Ein Kommentar von Dirk Schmaler.

Erst waren es die Weihnachtsmärkte, auf die Anschläge befürchtet wurden. Nun geht die Angst um, dass die Silvester-Partys ins Visier von Terroristen geraten sind. Man kann nur hoffen, dass sich auch diese Warnungen als falsch herausstellen werden. Gewissheit gibt es dafür nicht. Nicht heute Abend, nicht beim nächsten Fußballspiel und nicht beim nächsten Großkonzert. Mit dieser Bedrohungslage muss Deutschland leben. Die Anschläge von Paris haben gezeigt, dass es lediglich ein paar entschlossene Terroristen und einige Waffen braucht, um Dutzende Leben zu zerstören und eine Stadt nachhaltig zu traumatisieren.

Den Deutschen ist das sehr bewusst. Umfragen zufolge rechnet die Mehrheit der Bevölkerung sogar damit, dass der „Islamische Staat“ im neuen Jahr einen Anschlag in Deutschland verüben wird. Aus diesen Zahlen spricht nicht Angst und Panik, sondern vor allem eine erstaunliche Gelassenheit. Bisher jedenfalls hält die diffuse Erwartung eines Anschlages kaum jemanden davon ab, ins Stadion zu gehen oder an Tagen wie heute die Feiermeilen und Marktplätze der Republik zu besuchen. 

Das ist gut so. Terror ist ein perfides Spiel mit einer allgegenwärtigen Angst und entfaltet sich vor allem in den Köpfen. Furcht jedoch hilft genauso wenig wie der Ruf nach immer neuen Sicherheitsgesetzen. Auch der neuste Vorschlag der Polizeigewerkschaft, Bannmeilen für sogenannte Gefährder bei Großveranstaltungen einzurichten, ist zwar gut gemeint, aber gleichwohl unsinnig. Wer soll denn so ein Gefährder sein, dem man den Besuch von Großveranstaltungen verbietet? Wenn die Sicherheitsbehörden einen konkreten Verdacht gegen einen potenziellen Attentäter haben, können sie ihn schon heute festnehmen.

Wenn nicht, hilft nur Wachsamkeit. So funktioniert der Rechtsstaat. Auch in Zeiten des Terrors.     

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