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 Feiertagsdebatte
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 Feiertagsdebatte
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02:15 02.11.2016
Von Michael B. Berger
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Alle Welt schreibt und spricht plötzlich über Luther – einen Mann, dessen Relevanz man Jüngeren erst einmal erklären muss. Martin Luther, ein Geist des 16. Jahrhunderts, abgebrochener Jurastudent, Doktor der Theologie, zunächst Reformator des Augustiner­eremitenordens, später der gesamten Kirche, Gottgläubiger, Sinnsuchender, Spalter, Hetzer und Versöhner. Die protestantischen Kirchen feiern ihn und seine Weggefährten ab heute ein ganzes Jahr lang und wollen den Reformationstag, der uns im kommenden Jahr ausnahmsweise einen arbeitsfreien Ruhetag bescheren wird, zum ständig geschützten gesetzlichen Feiertag erklären. Und den Buß- und Bettag am liebsten gleich mit – wie es vor 1995 in ganz Deutschland der Fall war. Eine ziemlich unbescheidene Forderung.

Passt sie noch in die Zeit? Wohl kaum – und das zeigt schon der Reformationstag selbst. Er hat sich im Laufe der Jahre und der Ökumene überflüssig gemacht, weil er sein Gegenüber verloren hat, weil ihm der Zorn und der Trotz abhandengekommen sind. Die katholische Kirche ist neben dem Teufel nicht mehr jener „alt böse Feind“, von dem im Choral „Ein feste Burg ist unser Gott“ die Rede ist – ein Kirchenlied, das Heinrich Heine einst als die „Marseillaise“ der Reformation bezeichnet hatte. Heute, am Reformationstag 2016, bekommt sogar der katholische Kardinal Karl Lehmann die Martin-Luther-Medaille verliehen. Das sagt doch alles!

Der EKD-Ratsvorsitzende und bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm hat seinen Vorschlag, doch zwei neue Feiertage einzuführen, zudem mit einer giftigen Unterstellung garniert. Es wäre ein tolles Zeichen, wenn die Politik „einmal nicht allein für die Ökonomie, sondern für das Miteinander der Menschen neuen Freiraum“ schaffen könne. Als ob die Politik allein für die Ökonomie arbeitete. Feiertage, sagte der Bischof weiter, seien enorm wichtig für die „moralische Infrastruktur“ in Deutschland. Als ob es sich bei „Moral“ um ein lang angelegtes Infrastrukturvorhaben handelte. Zu wenige Feiertage hat Deutschland gewiss nicht, auch wenn es vor der Reformation im Mittelalter mehr als 50 davon gegeben hat. Aber damals gab es auch keine Gewerkschaften, keine Tarifverträge oder Arbeitsschutzgesetze.

Die evangelischen Kirchen haben 1994 nach langen sozialethischen Diskussionen einen „ihrer“ Feiertage preisgegeben, den Buß- und Bettag. Sie haben ihn zugunsten der Finanzierbarkeit der Pflegeversicherung hergegeben, die dadurch allerdings nicht sicherer wurde. Nur Sachsen hat den Buß- und Bettag beibehalten, dafür müssen die Arbeitnehmer dort mehr in die Pflegeversicherung einzahlen. Aber der Streichung des Feiertages folgte damals kein großer Aufschrei, weil er im Bewusstsein der breiten Bevölkerung ohnehin eher als „Buß-und-Betttag“ gesehen wurde. Feiertage, die keine inhaltliche Bedeutung mehr haben, verdienen keinen gesetzlichen Schutz.

Kommende Woche sollen die ersten Flüchtlinge auf den Waterlooplatz ziehen. Klug ist das nicht. Der Standort wird immer ein Problem bleiben – für die Bewohner wie für die Sicherheitskräfte, meint Andreas Schinkel.

Andreas Schinkel 01.11.2016

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