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Von Seehofer 
zu Erdogan

Kommentar Von Seehofer 
zu Erdogan

Zum fünften Mal innerhalb von sieben Monaten reist die Kanzlerin Angela Merkel heute in die Türkei. Es geht wieder um den Flüchtlingsdeal mit Präsident Recep Tayyip Erdogan, der immer mehr Zweifel hat wachsen lässt, dass der Deal funktioniert. Nur einer hat am Geschehen seine Freude. Ein Kommentar von Jörg Kallmeyer.

Monatelang hat man sich gefragt: Wie hält sie den Druck nur aus? Tag für Tag stiegen die Flüchtlingszahlen, Tag für Tag meldeten sich die Kritiker von Angela Merkels Flüchtlingspolitik zu Wort. Doch die Kanzlerin blieb, so schien es jedenfalls, die Ruhe selbst. Jetzt herrscht Entspannung an den Grenzen – und Merkel zeigt plötzlich Nerven. Sie verteidigt ungewöhnlich deutlich den Flüchtlingsdeal mit der Türkei – und erkennt in deutsche Debatte eine „Freude am Scheitern“.

Dass das Abkommen tatsächlich scheitern könnte, liegt allerdings nicht in deutscher Verantwortung. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan ganz allein lässt fast täglich die Zweifel daran wachsen, dass der Deal wirklich funktioniert. Erdogan hat Freude am Provozieren. Sein Land hat sich in den vergangenen Wochen so weit von der demokratischen Normalität entfernt, das die Frage schon erlaubt sein muss: Kann diese Türkei ein verlässlicher Partner für Absprachen sein?

Merkels Dünnhäutigkeit ist denn auch direkt auf Erdogan selbst zurückzuführen. Zum fünften Mal innerhalb von sieben Monaten reist die Kanzlerin heute in die Türkei. Ihre Reisediplomatie bringt sie selbst an ihre Grenzen – Verhandlungen mit Staatschefs vom Kaliber Erdogans waren für Merkel immer ein Gräuel. Vor Monaten war sie auf den türkischen Staatspräsidenten angewiesen, um die Flüchtlingszahlen in Deutschland zu senken. Die lauteste Forderung in diese Richtung kam aus Bayern. Jetzt gibt Horst Seehofer der Kanzlerin wieder eine dringende Forderung mit auf den Weg: Merkel müsse die Türkei auf den Weg der Demokratie zurückführen. Und wenn die erste Forderung nicht mit der zweiten zusammenpasst? Man ahnt jetzt, wer neben Erdogan noch Freude am Scheitern des Flüchtlingsdeals mit der Türkei haben könnte.

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