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Wer bestimmt, wie wir arbeiten?

Kommentar zum Acht-Stunden-Tag Wer bestimmt, wie wir arbeiten?

Flexiblere Arbeitszeitmodelle stehen sowohl bei Arbeitnehmern als bei Arbeitgebern hoch im Kurs. Die entscheidende Frage lautet jedoch: Wer bestimmt die Modalitäten? Eine Analyse von Jens Heitmann.

In Wiederholungen von alten Wochenschauen gibt es diese Bilder zuweilen noch: Arbeiter, die morgens in dichten Reihen durch das Werkstor marschieren und abends – nach dem Pfiff der Sirene – wieder heraus. Auch heute kann es auf den Zufahrtswegen bisweilen eng werden, wenn in Fabriken die Schichten wechseln; gleichwohl gehören starre Arbeitszeiten für die Mehrheit der Beschäftigten längst der Vergangenheit an. Die Flexibilität hat im Alltag vieler Menschen schon Einzug gehalten, als das Internet und die Digitalisierung der Wirtschaft noch kein Thema waren.

Oft haben die Arbeitgeber dafür betriebliche Notwendigkeiten ins Feld geführt, inzwischen aber kommen die Wünsche vermehrt aus der Belegschaft: Vertrauensarbeitszeit, Homeoffice und Jobsharing sind insbesondere für jüngere Mitarbeiter attraktiv, um den Anforderungen von Familie und Job besser gerecht zu werden. Flexiblere Arbeitszeitmodelle stehen also auf beiden Seiten hoch im Kurs. Die entscheidende Frage lautet jedoch: Wer bestimmt die Modalitäten?

Im günstigsten Fall handeln Arbeitgeber und Gewerkschaften die Bedingungen in einem Tarifvertrag aus. Wenn beide Seiten gleichberechtigt am Tisch sitzen, kommen dabei in der Regel Modelle heraus, von denen Unternehmen und Mitarbeiter gleichermaßen profitieren. Doch die Tarifbindung nimmt ab – insbesondere im Osten fallen inzwischen ganze Branchen aus solchen Vertragswerken heraus. Die Beschäftigten müssen dann darauf vertrauen können, dass wenigstens der Gesetzgeber einen gewissen Schutz gegen die Willkür auf Arbeitgeberseite gewährleistet – dazu zählt auch die Festsetzung einer Höchstarbeitszeit. Ob diese einen Rahmen für jeden Tag vorgibt oder pauschal für eine Woche, ist dabei zweitrangig. Wichtiger wäre es, die Einhaltung auch wirksam zu kontrollieren.

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