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Meinung Wer profitiert von Air Berlin?
Nachrichten Meinung Wer profitiert von Air Berlin?
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02:15 01.10.2016
Von Jens Heitmann
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Lange haben sie ihr Lied nach jeder Landung noch tapfer weitergespielt: „Flugzeuge im Bauch, im Blut Kerosin – kein Sturm hält sie auf, uns’re Air Berlin!“ Irgendwann aber muss auch der Marketingabteilung die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit aufgefallen sein, und der Song wurde aus dem Bordprogramm genommen. Jahr für Jahr ist Air Berlin tiefer in die roten Zahlen geflogen. Nun steht Deutschlands zweitgrößte Airline vor der Zerschlagung – für die Branche kommt das nicht überraschend.

Viele können sich das heute kaum noch vorstellen: Aber Air Berlin galt der Konkurrenz mal als Vorbild. Als in der Luftfahrt noch die strenge Trennung zwischen Linien- und Charterfliegern üblich war, gelang es der Gesellschaft als einer der ersten, Geschäftsreisende, Pauschalurlauber und Schnäppchenjäger gleichermaßen anzusprechen. Air Berlin übernahm Wettbewerber in Serie und wollte beim Wachstum keine Grenzen akzeptieren. Bei der Begeisterung über den eigenen Aufstieg wurde in der Hauptstadt übersehen, dass neue Rivalen wie Ryan­air und Easyjet heranreiften, die echte Billigflieger sein wollten. Während Air Berlin seine Kosten mit jeder Übernahme in die Höhe trieb, sparten die Konkurrenten an allem – und unterboten ihre Preise deutlich. Die Berliner verloren nun mit jedem Ticket Geld.

Dass die Gesellschaft erst jetzt am Ende ist, verdankt sie nur ihrem Großaktionär Etihad. Die Airline aus Abu Dhabi möchte wie auch Emirates aus Dubai gern den Zugang zum europäischen Markt vergrößern. Da die heimischen Platzhirsche – unter Mithilfe ihrer Regierungen – den arabischen Fluglinien die gewünschten Landerechte verweigern, hat sich Etihad bei Air Berlin eingekauft. Dass dies ein sehr teurer Irrtum war, wurde zwar schnell deutlich – einen Ausweg aber gab es nicht. Bis zuletzt.

Vor allem der Lufthansa kommt der Niedergang des einst so selbstherrlichen Rivalen sehr gelegen. Lufthansa will dringend wachsen – vor allem im Billigsegment. Der Zeitpunkt passt also gut, so die Flotte schnell zu erweitern. Und: Solange eine siechende Air Berlin attraktive Slots an den Flughäfen blockiert, können andere Rivalen nicht so expandieren, wie sie gern möchten. Eine Pleite der Berliner aber käme einer Einladung an die Konkurrenz gleich. Das Menetekel heißt Malev: Als die ungarische Fluglinie Anfang 2012 ihren Betrieb einstellte, dauerte es nur wenige Wochen, bis Ryanair, Easyjet und Wizz Air den dortigen Markt unter sich aufgeteilt hatten.

Das ist der Grund für die plötzliche Hilfsbereitschaft gegenüber Air Berlin. Dass auch die Tui mitmischt, liegt an einem lukrativen Mietvertrag für rund ein Dutzend Maschinen: Der Ferienflieger Tuifly hat für sie keinen Bedarf – und sucht händeringend eine Alternative.     

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