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Ein stiller Typ wird BND-Chef

Kommentar zu Bruno Kahl Ein stiller Typ wird BND-Chef

Mitunter kommt das Amt zum Manne, auf überraschende Art. Der Jurist Bruno Kahl, ein katholischer Familienvater mit beschaulicher Bonner Vergangenheit, hätte nie erwogen, einmal Chef des Bundesnachrichtendienstes zu werden. Nun wird er es wohl doch – weil das Kanzleramt es so will und weil sein Ziehvater Schäuble ihn jetzt auf diesen Posten dirigiert.

Das Verhältnis zwischen Kahl und Schäuble ist eng, fachlich wie menschlich. Kahl ging als Büroleiter Schäubles stets umsichtig mit dessen Behinderung um. Schäuble wiederum stand Kahl bei, als dessen Frau sehr früh starb.

Im lärmenden Berliner Betrieb wird ein stiller Typ wie Kahl oft ignoriert: Bürokrat, Langweiler. Kahl leitet derzeit im Finanzressort die Abteilung VIII: „Privatisierungen, Beteiligungen und Bundesvermögen“. Das hört sich öde an. In Wahrheit hantiert ein Ministerialer an dieser Stelle mit Milliarden.

Kahl genießt Vertrauen, an hohen und höchsten Stellen im Staate. Seinem Vorgänger beim BND, Gerhard Schindler, entfuhr beim Amtsantritt der Satz „no risk, no fun“: In schwierigen Zeiten müsse der BND schon mal etwas riskieren, um an Informationen zu kommen. Die Folgen dieser Attitüde sind bekannt: Überschreitungen rechtlicher Grenzen, Verletzungen von Transparenzvorschriften, Spannungen im Verhältnis zum Parlamentarischen Kontrollgremium. Kahl kennt sich sehr gut aus im Staatsrecht, sogar in Staatsphilosophie. Er ist kein Sprücheklopfer. Kahl ist es zuzutrauen, auch die geheim operierenden staatlichen Stellen wieder enger an Recht und Gesetz zu binden. Der Kanzlerin ist das sympathisch. Zugleich aber beugt sie dem Eindruck vor, nun beginne irgendein Experiment oder gar eine linke Neuerung. Auch dazu nämlich stünde dieser konservative Schüler Schäubles nicht zur Verfügung.

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