Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meinung Facebook: Die alte Taktik von Mark Zuckerberg
Nachrichten Meinung Facebook: Die alte Taktik von Mark Zuckerberg
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:31 14.04.2018
Mark Zuckerberg. Quelle: AP
Washington

Der Stuhl war zu groß, der Anzug auch, und die Krawatte wirkte quälend: Die zweitägige öffentliche Befragung von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg durch US-Senatoren und Abgeordnete in Washington wird kaum als imponierender Auftritt eines der reichsten Menschen der Welt in Erinnerung bleiben. Das lag weniger an den Äußerlichkeiten, nicht einmal am Chef eines der gewaltigsten Internetunternehmen allein. Es gab Blessuren auf allen Seiten – und am Ende stand vielfach Ratlosigkeit. Über die Sicherheit unser aller Daten, den Umgang mit Netz-Monopolen und die Zukunft der öffentlichen Kommunikation überhaupt.

Klar aber ist: Die noch immer gern gepflegte Rede von der „Mission“ mancher Plattformanbieter in Netz hat sich in diesen Tagen von Washington endgültig als ausgehöhlte Phrase entpuppt. Vielleicht mag Zuckerberg damit noch seine Praktikanten in Kalifornien einschwören können – alle anderen wissen es besser. Facebook ist wie Google, Apple und Amazon nicht vorrangig dazu da, unser Leben einfacher, konfliktärmer oder gar schöner zu machen. Es dient einzig dem Geschäft mit den Daten anderer Leute. Das ist nicht unbedingt ein Problem – man muss es nur zugeben. Tut man das allerdings zu oft und zu klar, kommen immer mehr Nutzer ins Grübeln, so praktisch und einfach die Anwendungen und Angebote auch sein mögen. Was wiederum dem Umsatz schadet.

Daher folgte nun im US-Kongress die seit 2003 mindestens siebte öffentliche Entschuldigung Zuckerbergs für die Arbeit seiner Firma, daher die neuen Versprechen zum Schutz von Daten – einschließlich eines Lobes für die neuen europäischen Schutzregelungen, die manchen sogar hierzulande zu weit gehen. Es ist die alte Taktik: Zuckerberg gibt sich reumütig, lässt den Sturm vorüberziehen – und hofft ansonsten darauf, dass die Leute zu bequem sein werden, sich andere und bessere Wege des Miteinanders im Netz zu suchen. Manches spricht dafür, dass dies aktuell noch einmal gut geht. Für ihn.

Denn auf der anderen Seite ist die Politik noch lange nicht so weit, hier kompetent und entschlossen einzugreifen. Manche Frage der US-Politiker an den Facebook-Gründer war an Naivität hinsichtlich des Internets und seiner Mechanismen kaum zu überbieten. Wer geglaubt hatte, dass das Netz nur in Deutschland noch als „Neuland“ beschrieben wird, erkannte schnell: Washington ist hier im Verständnis nicht weiter als Berlin. Das spiegelt übrigens die gesellschaftliche Situation: Die Digitalisierung unseres Lebens vollzieht sich langsamer, als manch lauter Netz-Protagonist glaubt. Aber: Sie kommt. Es ist also an der Zeit, national und international neue, wirksame Regeln für das digitale Miteinander zu verabreden. Am besten ohne den Rat von Mark Zuckerberg.

Von Hendrik Brandt

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Markenchef Herbert Diess könnte Vorstandschef Matthias Müller beerben. Müllers oft zur Schau gestellte Unlust deutet darauf hin, dass ihm der Abschied nicht allzu schwer fallen wird, meint HAZ-Redakteur Jens Heitmann. 

13.04.2018

Der überraschend schnelle Chefwechsel bei der Deutschen Bank macht Anlegern Hoffnung. Der Westfale Christian Sewing bringt jedenfalls die fachlichen und charakterlichen Eigenschaften mit, die für einen Erfolg wichtig sind, meint HAZ-Redakteur Albrecht Scheuermann.

12.04.2018

Ihme-Zentrum, Maritim, Bredero-Turm: Schon lange war die Aussicht nicht mehr so gut wie jetzt, dass es vorangeht bei Hannovers Problembauten, meint Conrad von Meding.

10.04.2018