Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 11 ° Regen

Navigation:
Von Freunden umzingelt

Unterm Strich Von Freunden umzingelt

Die Flüchtlinge auf dem Weißekreuzplatz haben ein Recht auf Gehör. Statt daran zu arbeiten, nutzen vermeintliche Unterstützer die Hilfesuchenden für ihre Zwecke. Das muss sich ändern, meint Andreas Schinkel.

Polizisten bauen die Zelte eines Flüchtlingscamps ab – vermutlich hat jeder gehofft, dass die Protestaktion der sudanesischen Flüchtlinge auf dem Weißekreuzplatz eine andere Wendung nehmen würde. Doch letztlich blieb für Stadtverwaltung und Polizei kein anderer Ausweg. Wer allen Ernstes das Ende seines Protests an die Bedingung knüpft, dass alle Asylgesetze abgeschafft werden, lässt kaum Spielraum für Verhandlungen. Und wer dann noch duldet, dass lokale Unterstützergruppen mit einem regelrechten Zeltpark die von den Behörden gesetzten Regeln brechen, verspielt schnell Sympathien. Das ist vor allem ärgerlich für die Flüchtlinge selbst, die sich damit ins Abseits manövriert haben.Oder geschoben worden sind.

Im Grunde hätte man von Berlin lernen können. Dort errichteten Hunderte Flüchtlinge ein Zeltlager auf dem Oranienburger Platz und harrten 18 Monate lang aus. Nach langen Verhandlungen  verließ der Großteil der Menschen das Lager und wurde in Hostels untergebracht. Die Behörden sicherten zu, jeden Asylantrag genau und zügig zu prüfen. Das Einzelschicksal sollte in den Blick geraten. Von den protestierenden Flüchtlingen blieb nur eine kleine Schar auf demPlatz, sie wurde schließlich von der Polizei aus dem Lager getragen. Vermutlich wollten die Demonstranten genau solche Bilder provozieren, um – in ihrer Logik – den angeblichen „Rassismus“ der deutschen Behörden zu enttarnen.

Es gibt zu denken, dass sich die Flüchtlinge im hannoverschen Protestcamp augenscheinlich einer ähnlichen Rhetorik bedienen. Sie geißeln in einem Pamphlet den „Rassismus“ in der Asylgesetzgebung, sprechen von „Diskriminierung“ in Amtsstuben. Doch auf Nachfrage, wann und wo sie solches erlebt hätten, verlieren sie sich in Allgemeinplätzen. Der Glaubwürdigkeit sind solche Widersprüche wenig zuträglich.

Es dürfte den sudanesischen Flüchtlingen allerdings kaum um Systemschelte gegangen sein. Auch dürfte ein Flugblatt mit Vorwürfen aus der linken Mottenkiste kaum aus der Feder von Menschen stammen, die nur gebrochen Deutsch sprechen. 20 „Sympathisanten“ hatten sich nach Angaben der Polizei den Demonstranten angeschlossen, sie waren, so ist zu vermuten, die Strippenzieher im Hintergrund. Während die Flüchtlinge für ihre Rechte kämpfen und zeigen wollen, dass hinter Asylanträgen menschliche Schicksale stecken, die Beachtung verdienen, geht es den Berufsdemonstranten um ihre gebetsmühlenartig vorgetragene Systemkritik.

Die Flüchtlinge auf dem Weißekreuzplatz wären gut beraten gewesen, nicht den lautesten Stimmen zu folgen, sondern die bereits ausgestreckten Hände zu ergreifen. Etwa die Hand des Afrikanischen Dachverbands Norddeutschland, der den Sudanesen anbot, bei Behördengängen behilflich zu sein und Türen zum Rathaus zu öffnen. Vielleicht finden die Protestierer so auch zurück zu einem Dialog, der Verhandlungen ermöglicht und nicht nur Ultimaten stellt. Ihrem Anliegen dürfte das guttun.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Demo in Langenhagen
Foto: Flüchtlinge und Unterstützer protestierten gestern vor der JVA-Außenstelle gegen die drohende Abschiebung eines 41-Jährigen.

Knapp eine Woche nach der Besetzung des Weißekreuzplatzes haben die rund 50 Flüchtlinge aus dem Sudan ihren Protest am Freitag ausgeweitet. Im Flughafen in Langenhagen verteilten sie am Nachmittag Handzettel und zogen anschließend vor die Außenstelle der Justizvollzugsanstalt in Langenhagen. 

mehr
Mehr aus Meinung