Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meinung Risiken, gegen die kein Kraut wächst
Nachrichten Meinung Risiken, gegen die kein Kraut wächst
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:54 13.08.2018

Glyphosat ist Gift. Das Totalherbizid hat eine zuverlässig tödliche Wirkung auf unerwünschte Pflanzen. Deswegen ist es bei Landwirten, Gärtnern und Golfplatzbetreibern weltweit auch so beliebt. Doch wie sich jetzt zeigt, entfaltet Glyphosat nicht nur in biologischer Hinsicht seine zerstörerische Wirkung, sondern auch in wirtschaftlicher. Am Montag stürzte der Kurs des Chemie- und Pharmakonzerns Bayer ab. 10 Milliarden Euro – einfach weg. Die Botschaft ist klar: Es braucht eine neue Strategie im Umgang mit dem umstrittenen Wirkstoff Glyphosat.

Es ist erst wenige Wochen her, dass Bayer den US-Agrokonzern Monsanto für 57 Milliarden Euro übernommen hat. Im Preis inbegriffen waren auch die Querelen um den Monsanto-Kassenschlager Glyphosat – sie sind jetzt das Problem der Leverkusener. Es könnte Bayer teuer zu stehen kommen, nachdem nun ein Geschworenengericht in San Francisco einem sterbenskranken Schulhausmeister Schadensersatz in Höhe von 289 Millionen Dollar zugesprochen hat. Monsanto, so die Jury, habe mögliche Krebsgefahren systematisch verheimlicht. Das Urteil ist zwar noch nicht rechtskräftig. Doch ihm wird große Signalwirkung beigemessen – allen voran von den Anlegern. Sie wissen um die anderen 5000 Klagen, die in den USA gegen Monsanto eingereicht wurden.

Man muss betonen: Das US-Gericht hat nicht entschieden, ob Glyphosat krebserregend ist. Dazu wäre die Laienjury in dem wenige Wochen andauernden Prozess nicht imstande. Es bleibt strittig, ob von glyphosathaltigen Produkten ein Risiko ausgeht. Das Gericht hat nur ein Urteil gefällt über die Bereitschaft des Konzerns, zur Klärung dieser Frage beizutragen. Davon kann leider keine Rede sein. Vielmehr hat der Prozess gezeigt, wie groß der Druck auf Wissenschaftler ist.

Die Studienlage ist widersprüchlich. Zwar verweist Bayer auf 800 Studien, die eine Schädlichkeit für Menschen ausschließen. Doch die mitunter von US-, europäischen und deutschen Behörden zitierten Analysen kranken daran, dass sie sich auf Auftragsstudien von Monsanto beziehen. Unabhängige Studien wie jene der zur Weltgesundheitsorganisation WHO gehörenden Internationalen Agentur für Krebsforschung halten ein Krebsrisiko derweil für „wahrscheinlich“.

Die Chemieindustrie muss sich einer kritischen Prüfung ihrer Produkte öffnen. Und die Politik muss diese einfordern. Das wird dauern. Bis dahin ließe sich die Zeit für die Suche nach Alternativen nutzen – die verheerende Wirkung von Glyphosat auf die Artenvielfalt ist ja unbestritten.  Und natürlich gibt es schonendere Mittel der Unkrautbekämpfung. Die allerdings sind – anders als Glyphosat –  richtig teuer. Es ist wie so oft in der Landwirtschaft: Die Verbraucher haben den ökologischen Fortschritt mit in der Hand – bei jedem Einkauf von  Lebensmitteln.

Von Marina Kormbaki/RND

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Am Wochenende stießen CDU-Politiker die Debatte um eine „Allgemeine Dienstpflicht“ an. Auch die Wehrpflicht könnte wieder aufgenommen werden. Was gegen die Idee spricht, lesen Sie hier.

06.08.2018

Deutsche Klassenzimmer hinken in Sachen Digitalisierung weit hinterher. Ein Handyverbot für Schulen, wie es nun in Frankreich beschlossen wurde, kommt für Deutschland daher nicht in Frage, meint Sebastian Heintz.

01.08.2018

Der angekündigte Umbau des Continental-Konzern ist weitreichend – und bietet doch für die Beschäftigen wenig Grund zur Beunruhigung. Interessant ist, dass Conti auf Abstand zum Verbrennermotor geht, meint unser Kommentator.

18.07.2018