Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Meinung Gesundheitspolitik ohne Märchen
Nachrichten Meinung Gesundheitspolitik ohne Märchen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
02:15 17.10.2015
Von Reinhard Urschel
Anzeige

Gerade eben sind die Verbraucher mit der beruhigenden Botschaft beglückt worden, dass die Inflation gegen null tendiert, also kaum mit steigenden Lebenshaltungskosten zu rechnen sei, da kommt die kalte Dusche. Der Schätzerkreis geht in seinen Berechnungen davon aus, dass den Krankenkassen 2016 rund 3 Milliarden Euro fehlen. Fast alle Kassen schreiben Defizite, geplante Reformen werden Geld kosten. Das alles zusammen macht einen Anstieg des Beitragssatzes um vermutlich 0,2 Punkte notwendig. Damit stiege der durchschnittliche Satz auf 15,7 Prozent.

Der Ärger über diese Entwicklung ist gleich zweifach berechtigt. Zum einen natürlich wegen der neuerlichen Belastung selbst. Sie wird abermals allein von den Arbeitnehmern getragen werden müssen, weil der Beitrag der Arbeitgeber zur Krankenversicherung gedeckelt ist. Zum anderen, weil Gesundheitsminister Hermann Gröhe nicht Wort gehalten hat. Noch im September hat er großspurig verkündet, dass die finanzielle Situation der Krankenkassen mit Reserven in Höhe von über 15 Milliarden Euro mehr als stabil sei. Nur einen Monat später soll es für 2016 ein Defizit von 3 Milliarden Euro geben. Wo ist die Entlastung, wo die Stabilität?

Mit solchen Parolen rückt Gröhe in die Nähe des einstigen Märchenonkels Norbert Blüm, der so lange tönte, die Renten seien sicher, bis es niemand mehr glaubte. Gröhe wird als verantwortlicher Minister die Risiken genau kennen, er muss sie aber auch benennen: allen voran die zunehmende Überalterung der Gesellschaft in Verbindung mit einem immer höheren Aufwand für moderne Therapien, Medikamente und Operationen. Es mag sein, dass die jahrzehntelang viel diskutierte Kostendämpfung im Gesundheitswesen heute schwieriger ist denn je. Umso dringender braucht die moderne Gesundheitspolitik eine ehrliche Bestandsaufnahme.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Meinung Kommentar zur Abgas-Affäre - Kein Grund zur Hysterie bei VW

Wenn sich die Führungskräfte des Volkswagen-Konzerns am Donnerstag in Leipzig treffen, dürfte sie ein anderes Programm erwarten als noch vor gut einem Jahr im benachbarten Dresden. Und doch gibt es keinen Grund, in Hysterie zu verfallen. Eine Analyse von Lars Ruzic.

Lars Ruzic 17.10.2015
Meinung Kommentar zu Transitzonen - Zonen außerhalb des Rechtsstaats

Die CSU will Transitzonen in deutschen Grenzregionen einrichten, um Flüchtlinge von der Einreise nach Deutschland abzuhalten. Doch das lässt sich nicht mit europäischem Recht vereinbaren. Und auch an der Sinnhaftigkeit gibt es Zweifel. Ein Kommentar von Marina Kormbaki.

Marina Kormbaki 16.10.2015
Meinung Leitartikel - Wer hilft Sachsen?

Nach einer Pegida-Demonstration in Dresden wurde ein Galgen für Angela Merkel und Sigmar Gabriel gezeigt. Diese Aktion zeugt nicht nur von dümmlicher Geschmacklosigkeit, sondern ist auch Ausdruck äußerster Brutalität und Gewaltbereitschaft. Eine Analyse von Jan Emendörfer.

16.10.2015
Anzeige