Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Gesundheitspolitik ohne Märchen

Kommentar zu Krankenkassen Gesundheitspolitik ohne Märchen

Die Krankenkassen schreiben Defizite, geplante Reformen werden Geld kosten. Das macht einen Anstieg des Beitragssatzes notwendig. Es mag sein, dass die Kostendämpfung im Gesundheitswesen heute schwieriger ist denn je. Umso dringender braucht die Gesundheitspolitik eine ehrliche Bestandsaufnahme. Eine Analyse von Reinhard Urschel.

Gerade eben sind die Verbraucher mit der beruhigenden Botschaft beglückt worden, dass die Inflation gegen null tendiert, also kaum mit steigenden Lebenshaltungskosten zu rechnen sei, da kommt die kalte Dusche. Der Schätzerkreis geht in seinen Berechnungen davon aus, dass den Krankenkassen 2016 rund 3 Milliarden Euro fehlen. Fast alle Kassen schreiben Defizite, geplante Reformen werden Geld kosten. Das alles zusammen macht einen Anstieg des Beitragssatzes um vermutlich 0,2 Punkte notwendig. Damit stiege der durchschnittliche Satz auf 15,7 Prozent.

Der Ärger über diese Entwicklung ist gleich zweifach berechtigt. Zum einen natürlich wegen der neuerlichen Belastung selbst. Sie wird abermals allein von den Arbeitnehmern getragen werden müssen, weil der Beitrag der Arbeitgeber zur Krankenversicherung gedeckelt ist. Zum anderen, weil Gesundheitsminister Hermann Gröhe nicht Wort gehalten hat. Noch im September hat er großspurig verkündet, dass die finanzielle Situation der Krankenkassen mit Reserven in Höhe von über 15 Milliarden Euro mehr als stabil sei. Nur einen Monat später soll es für 2016 ein Defizit von 3 Milliarden Euro geben. Wo ist die Entlastung, wo die Stabilität?

Mit solchen Parolen rückt Gröhe in die Nähe des einstigen Märchenonkels Norbert Blüm, der so lange tönte, die Renten seien sicher, bis es niemand mehr glaubte. Gröhe wird als verantwortlicher Minister die Risiken genau kennen, er muss sie aber auch benennen: allen voran die zunehmende Überalterung der Gesellschaft in Verbindung mit einem immer höheren Aufwand für moderne Therapien, Medikamente und Operationen. Es mag sein, dass die jahrzehntelang viel diskutierte Kostendämpfung im Gesundheitswesen heute schwieriger ist denn je. Umso dringender braucht die moderne Gesundheitspolitik eine ehrliche Bestandsaufnahme.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Meinung