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Meinung Ein fatales Signal
Nachrichten Meinung Ein fatales Signal
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02:15 10.03.2016
Von Dirk Schmaler
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Es ist ein ungeheuerlicher Vorgang – und viel mehr als eine Posse aus dem Bayerischen: Ein Pfarrer mit afrikanischen Wurzeln bekommt anonyme Morddrohungen und wird rassistisch beleidigt, weil er sich zuvor gegen die Flüchtlingsbeschimpfungen einer einflussreichen örtlichen CSU-Chefin gewehrt hat. Nun muss Pfarrer Olivier Ndjimbi-Tshiende seinen Posten räumen – aus Angst um sein Leben. Ausgerechnet Ostern wird er seine letzte Predigt halten. Man kann den Bewohnern von Zorneding nur wünschen, dass sie ihm noch einmal genau zuhören.

Rassistische Beleidigungen wie die aus Zorneding sind längst keine Einzelfälle mehr. Sie zeigen, wie schnell sich in der Flüchtlingskrise die Grenzen des Anstands bereits verschoben haben. Vor allem in kleineren Ortschaften abseits der Scheinwerferlichter gedeihen Hass und Ängste traditionell besonders gut, wenn Meinungsführer einen vergifteten Ton vorgeben.

In Tröglitz musste der Bürgermeister im vergangenen Jahr das Dorf verlassen, weil ihn ein Mob vor der eigenen Haustür terrorisierte. In vielen anderen Kommunen lassen ehrenamtliche Politiker ihr Engagement still und heimlich ruhen, weil sie sich nicht mit Anfeindungen belasten wollen.

Dabei wären die Stimmen der Vernunft und der Mäßigung in Politik und Kirche gerade in diesen aufgeheizten Tagen wichtig. Wer Geflüchtete aus Afrika oder Syrien pauschal als „Militärdienstflüchtlinge“ oder „Wirtschaftsflüchtlinge“ diffamiert, wer ihnen das Recht abspricht, sich in Sicherheit zu bringen vor Bomben und Terror, wer ihnen gar allgemein unterstellt, sie seien hier, um deutsche Frauen zu vergewaltigen, ist kein wohltuender Klartextredner. Er schürt den Hass und letztlich sogar die Gewalt gegen Fremde. Das wird man doch mal sagen dürfen.

Oder etwa nicht mehr?

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