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Regiobus: Was ist uns Nahverkehr wert?

Kommentar Regiobus: Was ist uns Nahverkehr wert?

Aus Gründen der Wirtschaftlichkeit müssten weniger Busse durch die Region fahren. Die Politik muss wissen, ob sie das will, meint HAZ-Redakteur Bernd Haase.

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Quelle: Archiv

Hannover. Am zweiten Weihnachtsfeiertag 2015 brannte der Regiobus-Betriebshof Springe-Eldagsen ab, 23 Busse wurden vernichtet. Daraufhin machte das kommunale Busunternehmen einen Vorschlag: Man könne die Standorte Eldagsen und Wunstorf auflösen, in Gehrden zusammenfassen und so eine Million Euro jährlich sparen. Das klang plausibel - doch die Idee fiel bei der Politik durch. Springe dürfe nach dem Verlust des Klinikums nicht noch mehr öffentliche Infrastruktur einbüßen, lautete eine der Begründungen.

Das Beispiel zeigt, wie schwierig es für das Unternehmen ist, aus eigener Kraft Kosten zu drücken. Das Verhaltensmuster ähnelt dem bei Einschnitten im Fahrplan. Grundsätzlich sind alle dafür - aber wenn es um solche im eigenen Wahlkreis geht, dann auf gar keinen Fall. Dass es teuer ist, leere Busse über die Dörfer zu schicken, erschließt sich auch dem Laien.

Am Dienstag kamen im Verkehrsausschuss der Regionsversammlung Gutachten auf den Tisch, die die Folgen darlegen sollten. Der Zuschussbedarf durch die öffentliche Hand bei der Regiobus liegt in Höhen, die die Wettbewerbsfähigkeit und damit auf Dauer die Existenz des Tochterunternehmens der Region gefährden.

So überraschend, wie manche Politiker an dem Tag taten, war die Erkenntnis nicht. Bereits vor vier Jahren hatten die Vorstandsvorsitzenden von Regiobus und Üstra Hans-Georg Martensen und André Neiß, im Verkehrsausschuss vor wachsendem finanziellen Hilfsbedarf gewarnt. Sie begründeten dies mit steigenden Kosten für Energie, Personal und Material sowie mit hohem Investitionsbedarf. Gefruchtet hat dies vor allem bei der Regiobus nicht.

Zur Abhilfe, heißt es immer wieder einmal, könnten die beiden Verkehrsunternehmen fusionieren und so etwa Verwaltungskosten drücken. Überlegen kann man das - aber einfach wäre es nicht. Erstens wäre es nicht von heute auf morgen zu bewerkstelligen, zweitens ist die Tragfähigkeit dieser Lösung noch nicht ausgemacht. Etwa, weil beide Unternehmen unterschiedliche Tarifverträge haben. Führte eine Fusion dazu, dass bei der Regiobus die höheren Gehälter der Üstra zu zahlen wären, brächte das an diesem Punkt höhere Kosten.

Die derzeitigen Diskussionen um die Geschäftslage bei der Regiobus und das Verhalten des Vorstands bei der Üstra überdecken, dass der Nahverkehr in der Region Hannover bei der Kundschaft angesehen ist. Beide haben im jüngsten Kundenbarometer wieder gute Noten erhalten und vordere Plätze belegt. Die Frage, um die sich nun die Politik vor allem bei der Regiobus nicht länger herumdrücken kann, lautet schlicht und ergreifend: Was ist uns das wert?

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