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Meinung Putin, Erdogan und der „Mord“
Nachrichten Meinung Putin, Erdogan und der „Mord“
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02:15 06.12.2015
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Der Schnee fiel in dichten Flocken zur Erde herab, die Soldaten, die den Sarg trugen, waren in dicke, blaue Wintermäntel mit goldgelben Kordeln gehüllt, es erklang schwere Musik. Die Beisetzung des russischen Kampfjetpiloten Oleg Peschkow am Mittwoch in Lipezk, rund 400 Kilometer von Moskau entfernt, erinnerte in der Art der Inszenierung irgendwie an das alte Zarenreich, an „Krieg und Frieden“ von Leo Tolstoi (1828–1910).

Doch wir sind (leider) nicht in einem großen Roman der Weltliteratur, sondern in einer aktuellen Auseinandersetzung mit weltpolitischem Atem: Daran ließ Russlands Präsident Wladimir Putin keinen Zweifel, als er am Donnerstag in Moskau seine Rede an die Nation hielt und die Türkei wissen ließ, sie werde den Abschuss der russischen Maschine vom 24. November noch bitter bereuen: „Vielleicht weiß nur Allah, warum sie das gemacht haben. Allah beschloss, die regierende Clique in der Türkei zu bestrafen, und hat sie um den Verstand gebracht.“

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan wirkte noch ganz gut bei Sinnen, als er am gleichen Tag in Katar eine Ehrendoktorwürde entgegennahm. Aber es dürfte ihm inzwischen nicht nur einmal leidgetan haben, dass seine F-16-Jets den russischen Flieger vom Himmel holten. Inzwischen beginnt ihm zu dämmern, was von Anfang an hätte klar sein müssen: Auch wenn die Russen über türkischen Luftraum geflogen sein sollten, war es völlig überzogen, sie abzuschießen.

In Syriens Luftraum, in den nun auch noch deutsche Tornados geschickt werden, tummeln sich schon die Luftstreitkräfte von nicht weniger als 14 verschiedenen Nationen. Unter ihnen ist auch Israel – um Waffenlieferungen an die Hisbollah zu unterbinden. Damit man nicht versehentlich ins Kreuzfeuer gerät, hat Tel Aviv immerhin eine Hotline nach Moskau eingerichtet.

Man kann ja in der Tat miteinander reden. Und eigentlich liegen Putin und Erdogan ja sogar in ihren Auffassungen darüber, wie man einen Staat lenken muss, gar nicht so weit auseinander. Dem Türken wird vom Westen meist nur mehr nachgesehen: die Verfolgung der Kurden, die Inhaftierung von Journalisten, die Unterdrückung der Opposition im eigenen Land ...

Im Fall des abgeschossenen russischen Kampfjets prallen zwei starke Machthaber aufeinander, und man kann nur hoffen, dass sie nicht die Nerven verlieren. Aus Sicht der Russen geht es nicht nur um einen toten Soldaten, sondern um die Demütigung eines großen Landes, das sich jetzt gerade mit Weltmachtambitionen im globalen Spiel unserer Zeit zurückmeldet. Putin lässt immer noch offen, wie Moskaus Antwort auf die erlittene Schmach genau aussehen wird, aber die Formulierung, der „Mord“ werde nicht „mit Tomaten ... quittzumachen“ sein, deutet darauf hin, dass es nicht bei Handelssanktionen bleibt. Der türkische Regierungschef Ahmet Davutoglu sprach von „sowjetischer Propagandamaschinerie“ und „Lügen“. Der Abschuss aber ist eine Tatsache. Und die von Moskau kritisierten schmutzigen Ölgeschäfte der Terrormiliz IS via türkische Grenze werden von westlichen Militärs, Wissenschaftlern und Politikern zumindest nicht mehr ausgeschlossen.

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