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Blendwerk und Schluderei

Kommentar zu Ursula von der Leyen Blendwerk und Schluderei

Wieder einmal trifft eine Plagiatsaffäre eine politische Figur mit Potenzial. Ursula von der Leyen gehört heute, ebenso wie einst Karl-Theodor zu Guttenberg, zum kleinen Kreis derer, denen man in der Union zutraut, die Nachfolge Angela Merkels anzutreten. Ein Kommentar von Matthias Koch.

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Von der Leyen gab viele Quellen in ihrer Doktorarbeit an, aber auch solche, die das von ihr Gesagte gar nicht stützen.

Quelle: dpa

Trotz der Parallelen gibt es wichtige Unterschiede. Guttenberg schrieb ungewöhnlich massiv ab. Schon in seiner Einleitung, das hat man selten, standen ganze Absätze aus Texten anderer Autoren. Wissenschaftlich gesehen ergab sich am Ende eine einzige Blamage; der Doktortitel musste aberkannt werden.

Von der Leyens Arbeit bietet ein komplexeres Bild. Im Kernbereich dessen, was sie durch geburtshilfliche Experimente erforscht hat, tauchen bei VroniPlag kaum Vorwürfe auf. Das wissenschaftliche Drumrum indessen ließ, wie in vielen medizinischen Doktorarbeiten, zu wünschen übrig. Von der Leyen gab viele Quellen an, aber auch solche, die das von ihr Gesagte gar nicht stützen. Allzu oft verließ sie sich auf Sekundärquellen und übernahm dabei kleine Fehler wie falsch geschriebene Namen. Das Ganze sieht nicht wie Blendwerk aus, eher wie Schluderei. Wie viel Gewicht sollen Missetaten dieser Art nach 25 Jahren bekommen? Ein Bankraub etwa wäre längst verjährt.

Entscheidend wird sein, dass von der Leyen im aktuellen Umgang mit den Vorwürfen keine Fehler macht. Hier liegt bislang der wichtigste Unterschied zu Guttenberg. Der CSU-Mann trat 2011 zu arrogant auf: „Ich bin gerne bereit zu prüfen, ob vereinzelt Fußnoten nicht oder nicht korrekt gesetzt sein sollten.“ Das war Hochmut vor dem Fall. Von der Leyen agiert defensiver und umsichtiger. Das könnte ihr helfen. Helfen wird ihr auch, dass das Publikum der Plagiatsaffären müde geworden ist. Es möchte Politiker lieber an aktuellen Leistungen oder Fehlleistungen gemessen sehen als an alten Doktorarbeiten.

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