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Meinung Kommentar: Das Ende einer Ära
Nachrichten Meinung Kommentar: Das Ende einer Ära
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00:18 30.06.2018
Große Trauer bei den Fans von Deutschland. Quelle: dpa
Hannover

Am Mittwoch ist im deutschen Fußball etwas zu Ende gegangen. Vielleicht auch die Amtszeit von Bundestrainer Joachim Löw, aber es ist mehr. Auch mehr als nur eine erfolgreiche Ära der Nationalelf. Zu besichtigen ist das Ende einer Zeit der Leichtigkeit und Freude, die beim „Sommermärchen“ 2006 ihren Anfang genommen hatte und an der die deutschen Fußballfans ebenso viel Anteil hatten wie die Mannschaft selbst. 2018 aber hat Deutschland wieder ganz zu seinem mürrischen Selbst zurückgefunden. Die schlechten Testspiele, das Gemaule über das Teamquartier und die Debatten um Grüppchenbildung zeigten schon vor dem Südkorea-Spiel: Fußball-Deutschland hatte wieder Lust an schlechter Laune. Und nun hat man auch noch Grund dazu.

Zu befürchten ist nun, dass diese schlechte Laune in Zeiten der Überhöhung des Fußballs gefährliche Züge annimmt. Der türkischstämmige Schwede Jimmy Durmaz musste nach seinem entscheidenden Foul gegen Timo Werner rassistische Schmähungen und Drohungen gegen sich und seine Familie ertragen. Und gegen den Koreaner Hyun-Soo Jang reichten in seiner Heimat 300 Menschen Petitionen ein, man möge ihn und seine Familie aus dem Land werfen – weil sein Handspiel gegen Mexiko zu einem Elfmeter geführt hatte. Die Bedeutung, die Tausende dem Fußball zumessen, hat längst groteske Züge angenommen.

Klar, dass in dieser Stimmung auch die Frage ventiliert wird, ob das Tief im deutschen Fußball und das Stimmungstief in der deutschen Politik ursächlich miteinander zu tun haben. Die Antwort ist: nein. Und ja. Natürlich haben die Koalitionsstreitigkeiten keinen Einfluss auf die Laufwege der Herren Kroos und Khedira. Andererseits hätte eine beschwingtere Nation analog zu 2006 sicher mehr Enthusiasmus in der Nationalelf bewirkt – und etwa die Erdogan-Affäre schneller beerdigt. Andersherum hätte ein bisschen mehr WM-Euphorie in der Öffentlichkeit vielleicht den Kanonendonner der streitenden Koalitionäre gedämpft. So gesehen hat alles mit allem zu tun.

Und wer will, kann noch eine Parallele ziehen: Wenn drei der letzten vier Weltmeister in der Vorrunde ausgeschieden sind, lässt das darauf schließen, dass Weltmeister sich nicht gern erneuern. Stattdessen gehen sie mit den gleichen Strategien wieder ins Spiel – nur behäbiger. Das Land sollte nicht den gleichen Fehler machen wie seine Nationalelf. Die Welt verändert sich. Und irgendwann ist man raus.

Von Felix Harbart

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