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Neuer Mut 
bei Volkswagen

Leitartikel Neuer Mut 
bei Volkswagen

Seit der Aufdeckung der Abgas-Manipulationen bei Diesel-Modellen galt Volkswagen manchem schon als Sinnbild für die Krise der etablierten Hersteller: Während Newcomer aus China und eben Tesla-Gründer Elon Musk mit Macht die Elektromobilität vorantreiben, schienen die alten Platzhirsche von ihren Benzinern nicht loszukommen.

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Quelle: dpa

Wolfsburg. Technische Neuheiten müssen nicht unbedingt ein Segen sein – wer wüsste das besser als Volkswagen. Sein Erfindungsreichtum in Sachen Betrugssoftware hat dem Konzern in den USA eine Strafe in zweistelliger Milliardenhöhe eingebracht. Umso schöner ist es dann natürlich, wenn man von renommierten Laudatoren wieder einmal als „innovativster Autohersteller weltweit“ prämiert wird – und diese das auch ernst meinen. Die Unternehmensberater von Pricewaterhouse Coopers und das Center of Automotive Management haben die Tochter Audi gerade für diverse Verbesserungen im Bereich von Fahrerassistenzsystemen und digitaler Vernetzung ausgezeichnet. Dass dies zudem mit weitem Vorsprung vor den Rivalen Daimler und Tesla geschah, dürfte die Freude in Wolfsburg noch vergrößern.

Seit der Aufdeckung der Abgas-Manipulationen bei Diesel-Modellen galt Volkswagen manchem schon als Sinnbild für die Krise der etablierten Hersteller: Während Newcomer aus China und eben Tesla-Gründer Elon Musk mit Macht die Elektromobilität vorantreiben, schienen die alten Platzhirsche von ihren Benzinern und Selbstzündern nicht loszukommen. Gestimmt hat dieses Bild nie so recht – nun zeigt ausgerechnet VW, wie schief die Wahrnehmung vieler Beobachter wirklich war. Der Konzern mag bei der Entwicklung alternativer Antriebe lange nicht ganz vorn dabei gewesen sein, dafür wollen die Ingenieure nun umso schneller aufholen. Die ersten Modelle der neuen E-Marke I.D. sollen in nur drei Jahren auf den Markt kommen und nicht mehr kosten als die inzwischen bei der Kundschaft übel beleumundeten Diesel-Fahrzeuge.

Zunächst ist auch das nur eine Ankündigung. Im Unterschied zu den Verheißungen anderer kommt sie aber von einem Hersteller, der Erfahrungen hat mit der Produktion hoher Stückzahlen – und der mit seinem Baukasten-System in der Lage ist, alternative Antriebe in eine deutlich breitere Modell-Palette zu implementieren als beispielsweise Tesla. Zudem verbrennt Volkswagen kein Geld, sondern verdient welches – auf längere Sicht sollte auch das zumindest kein Nachteil sein. Mit dem sogenannten Zukunftspakt hat der Konzern zudem die Voraussetzung dafür geschaffen, dass auch die chronisch gewinnschwache Kernmarke Volkswagen deutlich profitabler werden kann. Ob Vorstand und Betriebsrat dabei wirklich schon an einem Strang in die gleiche Richtung ziehen, ist noch offen. Erleichtert wird der geplante Abbau von 23 000 Stellen jedenfalls durch das hohe Durchschnittsalter der Belegschaft, das einen Ausstieg über Altersteilzeit begünstigt. Das mag nicht sonderlich innovativ sein – bisweilen helfen aber eben auch bewährte Konzepte bei der Lösung von Problemen.     

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