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Aufstand der 
Verängstigten

Kommentar Aufstand der 
Verängstigten

Der Protest der Republikaner gegen Donald Trump ist ausgeblieben. In Cleveland zeigte sich vielmehr ein Aufstand Verängstigten, der Trump trägt. Das reicht noch nicht, um zum Präsidenten gewählt zu werden. Die politischen Ursachen sollte Washington jedoch ernst nehmen. Ein Kommentar von Stefan Koch.

Die letzte Hoffnung auf eine Kehrtwende bei den Republikanern ist dahin. Der parteiinterne Widerstand gegen Donald Trump fällt so zaghaft aus, dass sich die Protestschreiben einfach vom Tisch wischen lassen. Mag sein, dass sich viele ehrbare Konservative so angewidert abwenden, dass sie das turbulente Geschehen in Cleveland einfach ignorieren. Eine dauerhafte Lösung kann das aber nicht sein.

Die „Grand Old Party“ zeigt sich nur noch alt, aber nicht mehr groß: Es mangelt an Zukunftsstrategien und an seriösen Antworten auf eine Gesellschaft, in der die frühere Mehrheit immer weniger zu sagen hat. Es reicht einfach nicht aus, die Globalisierung zu verteufeln und die Uhren zurückdrehen zu wollen. Und geradezu fahrlässig ist es, über die krassen Missstände in der Bildungslandschaft hinwegzusehen und die Zusammenhänge zwischen schlechter Qualifikation und hoher Arbeitslosigkeit zu verschweigen.

Viele Jobs von damals sind eben nicht nur nach Mittelamerika oder Südostasien abgewandert – es gibt sie schlicht nicht mehr. Automatisierung und Digitalisierung sind in den meisten Arbeitsbereichen längst selbstverständlich.

Innerparteiliche Trump-Gegner und die Führung der Demokratischen Partei müssen sich allerdings gleichermaßen vorwerfen lassen, die schlechter werdende materielle Lage in breiten gesellschaftlichen Schichten einfach zu übersehen. Hinter Trump sammeln sich nicht allein die Hilfsarbeiter. Wie in Cleveland diese Woche zu beobachten ist, wird der Aufstand der Verängstigten auch von der Mitte getragen.

Dass dieser Unmut den schillernden Kandidaten bis ins Weiße Haus trägt, erscheint zurzeit eher unwahrscheinlich. Sein bisheriger Erfolg zeigt aber, wie dringend Washington an den innenpolitischen Stellschrauben drehen sollte.

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