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Warum der Wirbel um den Zoo übertrieben ist

Kommentar Warum der Wirbel um den Zoo übertrieben ist

Quält der Zoo seine Elefanten? Kein Thema hat die Hannoveraner in dieser Woche so beschäftigt wie dieses. Die Empörung ist groß – auch weil wir dazu neigen, Tiere wie Menschen zu sehen, meint Felix Harbart.

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Zu sehr haben wir es uns angewöhnt, Tiere zu vermenschlichen – egal ob Hund, Katze oder Elefant.

Quelle: Dröse

Hannover. Gemessen an Gesprächen, Leserbriefen und digitalen Kommentaren hat kein Thema die Hannoveraner in dieser Woche so sehr beschäftigt wie der Zoo. Genauer: Der Vorwurf, dass Elefanten dort misshandelt würden. Zu sehr haben wir es uns angewöhnt, Tiere zu vermenschlichen – egal ob Hund, Katze oder Elefant.

Videomaterial

Das zeigen die Peta-Aufnahmen aus dem Zoo Hannover

Das hat natürlich mit persönlicher Betroffenheit und Lebenswirklichkeit zu tun – denn im Zoo ist fast jeder schon einmal gewesen. Es zeigt aber auch, dass in unserem Verhältnis zu Tieren manches ein bisschen in Schieflage geraten ist. Das Entsetzen über den Einsatz sogenannter Elefantenhaken ist in Teilen der Bevölkerung so groß, dass nicht nur zum Boykott des Zoos aufgerufen wird. Einzelne Tierfreunde haben sogar Morddrohungen gegen Mitarbeiter des Zoos ausgesprochen. Das ist der Punkt, in dem Empörung in Hysterie umschlägt.

Man kann beherzt darüber diskutieren, ob es Zoos geben muss oder nicht. Ob wilde Tiere in kleinen Gehegen gehalten werden müssen, um sie Menschen zu präsentieren oder manchmal sogar die Art zu erhalten. Wer das aber nicht prinzipiell ablehnt, muss zwei Dinge zur Kenntnis nehmen.

  1. Man kann mit Elefanten nicht umgehen wie mit Königspudeln. Elefanten, vor allem junge Bullen, sind hochgefährliche Tiere, die ihre Wärter ohne Weiteres töten können.
  2. Die Haltung in einem Zoo erfordert zwangsläufig manchen Eingriff durch den Menschen, der in freier Wildbahn nicht nötig wäre. So können Elefanten sich im engen Zoogehege beispielsweise nicht, wie von der Natur vorgesehen, die Hornhaut von den Füßen ablaufen. Also braucht es Fußpflege durch den Menschen – und somit Erziehung und Training, um diese durchführen zu können.

Was es nicht braucht sind Elefanten, die vor Besuchern Männchen machen. Auch diese Botschaft dürfte im Zoo angekommen sein.

Tierschützer werden Pflegern im Zoo Hannover vor, Baby-Elefanten zu misshandeln, um ihnen Kunststücke beizubringen. Der Zoo kündigte am Mittwoch an, konsequent zu handeln, sollte irgendwo ein Fehlverhalten stattgefunden haben. 

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Ist der Zoo wirklich zu weit gegangen?

Es ist geboten, dass Experten und Gutachter nun überprüfen, ob der Zoo Hannover bei seiner Elefantenerziehung zu weit gegangen ist – anhand der alten Bilder der Tierschutzorganisation Peta kann kein Laie das ernsthaft beurteilen. Die Experten sind uneins. Während die Tierschutzbeauftragte des Landes, Michaela Dämmrich, die Aufnahmen „nicht schön“ findet, hält der Leiter des TiHo-Tierschutzzentrums, Hansjoachim Hackbarth, den Einsatz von Elefantenhaken für absolut notwendig.

Dass so eine Sicht heute schwer zu vermitteln ist, ist kein Wunder. Zu sehr haben wir es uns angewöhnt, Tiere zu vermenschlichen – egal ob Hund, Katze oder Elefant. Wenn Zoos einen Bildungsauftrag haben, müsste der auch darin bestehen, dieses schiefe Verhältnis zwischen Mensch und Tier geradezurücken. Das aber gelingt ihnen offenkundig nicht, und daran haben sie selbst ihren Anteil. Wer seine Pinguine auf einem havarierten Schiff und seine Elefanten in einem Maharadscha-Palast drapiert, trägt nicht dazu bei, ein Tier als Tier wahrzunehmen und zu respektieren. Er schafft eine Fantasiewelt – und in die passen Elefantenhaken tatsächlich schlecht hinein.     

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