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Meinung Die schwäb’sche
 Eisenbahn rollt
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 Eisenbahn rollt
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18:01 10.04.2016
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Früher gab es bei den Grünen Pfiffe, wenn Winfried Kretschmann sprach. Für den linken Flügel war schnell das Maß voll, wenn „der Kretsch“, wie er bei den Grünen heißt, mal wieder nach Art eines knorrigen Oberlehrers ans Podium trat und schwäbelnd den konservativen Rand dessen markierte, was man noch als grüne Position durchgehen lassen konnte. Heute dagegen feiern sie ihn alle wie einen Popstar. Seit er die Grünen in Baden-Württemberg zur stärksten Partei gemacht hat, umgibt Kretschmann fast etwas Guruhaftes: Viele sehen jetzt auch hinter dem schlichteren Teil seiner Äußerungen tiefe Weisheit aufleuchten, etwa hier: „Wenn man selbst nichts Besseres auf den Tisch legen kann, muss man mäßige Problemlösungen mittragen und sich mit Globalkritik zurückhalten.“

Die Grünen haben einen weiten Weg zurückgelegt. Sich mit Globalkritik zurückhalten? Das ist neu. Für Petra Kelly etwa, eine Tag und Nacht rotierende Anti-Atom-Aktivistin, waren Sitzblockaden schon Ausdruck einer zweifelhaften Mäßigung. In den Achtzigern gehörte Globalkritik, und zwar mit maximaler Sichtbarkeit, nicht nur zum Stil der Partei, sie war ihr Seinsgrund.

Jetzt, 30 Jahre später, erklärt Kretschmann in aller Seelenruhe Globalkritik zu etwas Gestrigem – und stellt schon mal die Weichen in Richtung CDU. Er will nach und nach alle Waggons hinter sich herziehen in eine Kurve, hinter der dann endgültig Realpolitik pur wartet: mit der einzigen Partei, die auch künftig noch rechnerisch in der Lage sein könnte, den Grünen eine übersichtliche Zweierkoalition anzubieten. Aus der Bahn geraten oder gar kippen wie die A-Klasse beim Elch-Test werden die Grünen nicht. Der Kretsch-Test ist sanft, der Bogen weit. Man fährt wie auf Schienen einem lange vorab beschriebenen Ziel entgegen. Willkommen auf der schwäb’schen Eisenbahn.

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