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Meinung Schluss mit den
 Mondpreisen
Nachrichten Meinung Schluss mit den
 Mondpreisen
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02:15 15.04.2016
Von Jens Heitmann
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Deutschland ist für die Pharmaindustrie der attraktivste Markt in Europa. Kein anderer Staat gestattet es den Arzeneimittelherstellern, neuartige Präparate zu willkürlichen Preisen mit der gesetzlichen Krankenversicherung abzurechnen – sofern es auch nur einen Anhaltspunkt dafür gibt, dass die neuen Pillen den Patienten mehr helfen als jene, die in den Apotheken schon länger erhältlich sind. Das kommt einem Freifahrtschein gleich – und die Branche war noch nie für Hemmungen bekannt, so ein Ticket auch zu lösen.

Der Gesetzgeber hat sich zu lange vom guten Willen leiten lassen. Die Politik ist den Bedingungen der Hersteller gefolgt, weil Kranke so schnell wie möglich Zugang zu den besten Medikamenten haben sollten. Da aber auch Politiker nicht naiv sind, haben sie die Zeit der freien Preisfestsetzung begrenzt: Spätestens ein Jahr nach der Markteinführung müssen die Produzenten mit den Krankenkassen über Abschläge verhandeln. Damit wähnte man sich mit Blick auf den Wucher auf der sicheren Seite – doch diese Hoffnung hat getrogen. Niemand konnte sich vorstellen, welche Mondpreise die Pharmahersteller in den ersten zwölf Monaten aufrufen würden.

Dank der Nachhilfe des US-Konzerns Gilead sind inzwischen alle Beteiligten klüger. Mit seiner Forderung von 700 Euro für eine Pille zur Behandlung von Hepatitis C hat das Unternehmen einen Maßstab gesetzt, der die Politik zum Eingreifen zwingt – zumal die Zeiten der Überschüsse in der gesetzlichen Krankenversicherung wieder vorbei sind. Die Pläne der Bundesregierung gehen aber nicht weit genug: Anstatt einen diffusen „Schwellenwert“ festzusetzen, wäre es viel transparenter, einfach den zwischen dem Hersteller und den Kassen verhandelten Preis rückwirkend zum Tag der Markteinführung gelten zu lassen.

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