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Meinung Und ewig grüßt
der Atommüll
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der Atommüll
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00:15 13.12.2015
Von Michael B. Berger
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Im Windschatten der Flüchtlingskrise hat Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer ein Thema abgeräumt, bei dem er seit Monaten mit der Bundesregierung über Kreuz liegt. Bayern gibt seine Blockade bei der Aufnahme von Atommüll-Containern auf, die aus Wiederaufarbeitungsanlagen in Frankreich und England stammen und alle Welt Castoren nennt. Bayern nimmt sieben von insgesamt 26 Containern auf, die in früheren Zeiten in unschöner Regelmäßigkeit und unter großem Polizeischutz nach Gorleben gebracht worden sind. Und wie reagiert die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg? Mit Jubel? Sie frohlockt nicht, sie unkt. Das könne doch nicht mit rechten Dingen zugegangen sein.

Mit rechten Dingen war es bereits im Sommer nicht zugegangen, als Seehofer plötzlich sein Veto einlegte, während andere Bundesländer sich wesentlich vernünftiger zeigten. 26 Castoren, die ab 2017 aus dem französischen La Hague und dem englischen Sellafield zur Rückführung anstehen, waren zu verteilen. Schleswig-Holstein, rot-grün regiert, hob die Hand, als Baden-Württemberg, grün-rot regiert, den Vorschlag machte. Und selbst das früher störrische Bundesland Hessen unter schwarz-grüner Führung machte mit. Sie alle zeigten guten Willen gegenüber der Bundesumweltministerin Barbara Hendricks und den Niedersachsen, die wenigstens für die nächsten Jahre eine Castor-Pause wollen, weil in Berlin gerade über einen Neustart bei der Endlagersuche gegrübelt wird. Deren Ende ist übrigens noch ziemlich offen. Nur Seehofer machte bei diesem Spiel nicht mit, obwohl auch die Kraftwerksbetreiber sich offen zeigten, die Castorbehälter einstweilen an ihren Reaktoren lagern zu lassen. Wenigstens eine Baustelle der deutschen Entsorgungspolitik ist mit Seehofers Schwenk geschlossen. Aber Grund zum Jubeln ist das Ganze nicht.

Denn noch ist völlig ungeklärt, wo der hoch strahlende Müll am Ende wirklich hinkommt, wenn er erst einmal auf 100 oder weniger Grad abgekühlt sein wird. Im Augenblick werden die Container noch in oberirdischen Hallen gelagert; man mag sich nicht wirklich vorstellen, was geschieht, wenn ein schweres Flugzeug in sie kracht. Aber die deutsche Entsorgungspolitik war schon immer von der Paradoxie gekennzeichnet, dass man die Lösung der Frage, wohin mit dem Müll, in eine möglichst ferne Zukunft verbannte.

Offen ist auch die Frage, wer die Entsorgung letztlich bezahlt, denn Kanzlerin Angela Merkels überhasteter Ausstieg aus der Kernenergie führte dazu, dass die Konzerne, die von dieser hoch umstrittenen Energie profitierten, derzeit um ihre Zukunft kämpfen müssen. Nicht klar ist auch, ob es der Lösung eines deutschen Kernproblems guttut, wenn die Mehrheit der Gesellschaft denkt, das mit der Atomenergie habe sich erledigt. Denn nichts ist so falsch – wie man in Niedersachsen an den Atomlagern Schacht Konrad, Asse II und Gorleben sieht. Nur die Castortransporte wird es erst mal nicht mehr geben. Bei uns.

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