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Amerika meldet sich zurück

Kommentar Amerika meldet sich zurück

Hillary Clinton hat die wichtigste Rede ihres Lebens gehalten. Es war ihre beste. Ein wichtiges Zeichen im Wahlkampf um das Präsidentenamt. Denn wenn ihr Gegner, der Milliardär Donald Trump, gewinnen sollte, wäre das ein fatales Zeichen. Ein Kommentar von Matthias Koch.

Hillary Clinton hat die bislang wichtigste Rede ihres Lebens gehalten. Und diese Rede war, das ist ihr Glück, zugleich ihre bislang beste. In Philadelphia ist soeben eine Glocke geläutet worden: Amerika meldet sich zurück.

„Das Einzige, was wir zu fürchten haben, ist die Furcht selbst“, sagte Clinton und zitierte damit den früheren US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt. Zum Schluss des Parteitags hat die frisch gekürte Kandidatin erreicht, was sie wollte. Sie hat ihre Demokraten emotional zusammenrücken lassen. Sie hat auch Wählern der Republikaner die Hand gereicht. Und sie hat ein auch auf der Weltbühne wahrnehmbares Zeichen neuer amerikanischer Zuversicht gesetzt.

Wer Roosevelt zitiert, darf, klarer Fall, auch vor dem populistischen Milliardär Donald Trump keine Angst haben. Clinton kritisiert inzwischen schon nicht mehr dieses oder jenes an Trump, sondern stellt ihn insgesamt als unamerikanisch hin: als jemanden, der zufällig mit silbernem Löffel im Mund geboren wurde, sich nie richtig anstrengte und nun auch noch viel dummes Zeug redet.

„In meiner Familie war es nicht so, dass riesige Bauwerke unseren Namen trugen“, sagt Clinton unter Anspielung auf den „Trump Tower“. Sie erzählt von ihrem Großvater, der 50 Jahre lang in der gleichen Textilfabrik arbeitete, sie spricht über Chancengleichheit – und lässt alles münden in einen für Amerika neuen Plan zur Ausbildungsförderung. Clinton will die öffentliche Infrastruktur modernisieren und massiv in erneuerbare Energien investieren. Amerika, diesen Gedanken muss man zulassen, könnte unter ihrer Ägide wirklich anders werden. Mehr denn je könnten USA und EU zusammenrücken.

„Stronger together“, stärker miteinander, dieser Grundsatz gilt für Clinton auch in der Außenpolitik. Sie unterstrich in Philadelphia die Bereitschaft der USA, Nato-Staaten gegen Bedrohungen aller Art, „auch aus Russland“, zu verteidigen. Eine Selbstverständlichkeit ist dies nicht mehr. Trump hat diese klassische Garantie Washingtons, die über Jahrzehnte Frieden und Freiheit in Europa sichern half, ausdrücklich infrage gestellt – das war Musik in den Ohren Wladimir Putins, den Figuren wie Trump oder Le Pen ebenso amüsieren wie die Flüchtlingskrise, der Brexit und das Abdriften der Türkei Richtung Diktatur.

Beim Duell Clinton-Trump geht es um weit mehr als die Frage, ob künftig ein Demokrat oder ein Republikaner im Weißen Haus sitzt. Es geht um den weltweiten Kampf zwischen seriöser, redlicher Politik und einem unheilvollen neuen Nationalpopulismus. Triumphieren bald überall jene, die die eigene Nation überhöhen, die eigene Person zum Kult machen und Minderheiten ausgrenzen, um der Mehrheit Überlegenheitsgefühle zu geben? Dann steht es schlecht um diese Welt und die Chance auf Frieden. Das von Clinton verwendete Roosevelt-Zitat übrigens ist ein altbekannter Klassiker, es stammt aus dem Jahr 1933.

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