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Das Verständnis war aufgebraucht

Kommentar Das Verständnis war aufgebraucht

Das Protestcamp der Sudansen am Weißekreuzplatz ist geräumt worden. Die Botschaft der Demonstrierenden ist in den vergangenen zwei Jahren angekommen – nach dieser langen Zeit aber war das Verständnis für das Camp aufgebraucht. Ein Kommentar von Felix Harbart.

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Quelle: Dillenberg

Am Ende war einzig das Timing unglücklich. Viele Male hatte die Polizei am Weißekreuzplatz vorbeigeschaut, um zu sehen, ob an der angemeldeten Demonstration auch Demonstranten teilnehmen – und niemanden angetroffen. Ausgerechnet an jenem Abend, an dem sie daraus Konsequenzen ziehen und das Camp räumen wollte, hatten die Sudanesen einen guten Grund, nicht da zu sein: Sie saßen mit dem Bezirksbürgermeister zusammen. Das machte die Aktion komplizierter, als sie hätte sein müssen.

Das ändert jedoch nichts daran, dass die Entscheidung zur Räumung richtig ist. Zwei Jahre hat die Aktion der Sudanesen andauern dürfen. Eine Demonstration übrigens, für die es gute Gründe gibt – sofern es darum geht, auf die Lage im Sudan hinzuweisen. Allerdings hatten die Besetzer für das Ende ihres Protests Bedingungen gestellt, die unrealistisch waren, etwa die komplette Novellierung des deutschen Asylrechtes. Bereits seit Langem war diese Besetzung schon deshalb keine Demonstration mehr, weil kaum noch jemand da war, der demonstrierte. Ganz davon abgesehen, dass die Botschaft, die die Sudanesen bei den Bürgern unterbringen wollten, nach zwei Jahren, vielen Aktionen und intensiver Medienbegleitung wohl mittlerweile angekommen ist.

Kritiker halten Polizei und Stadt nun vor, vor aufkommenden rechtspopulistischen Stimmungen einzuknicken. Der Vorwurf aber ist ungerecht. Tatsächlich sind beide Behörden zwei Jahre lang sehr nachsichtig mit den Demonstranten umgegangen, und das in souveräner Art und Weise. Lange blockten beide Stellen aufkommenden Unmut ab, so lange er nur vereinzelt auftrat. Zuletzt aber wollten sie nicht mehr ignorieren, das kaum noch jemand Verständnis für die Demonstranten hatte. Und dafür musste man kein Rechtspopulist sein.

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