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Sie waren so ambitioniert

Kommentar zum Regionsklinikum Sie waren so ambitioniert

Vor einem Jahr hat das Regionsklinikum ein mutiges Reformprogramm vorgelegt. Zu mutig für die Politik, die ihm nicht gefolgt ist. Ob sich das rächt? Hoffentlich nicht, meint HAZ-Lokalchef Felix Harbart.

Thomas Moesta, Ärztlicher Direktor des Siloah und bis vor Kurzem Interims-Geschäftsführer des Klinikums Region Hannover, ist ein resoluter Arzt. Als solcher hat er vor gut einem Jahr über die sogenannte Medizinstrategie 2020 einen bemerkenswerten Satz gesagt: „Wenn diese Strategie durchfällt, wird es keine weitere geben.“ Das hieß: Zur Medizinstrategie gibt es keine Alternative, wenn das Klinikum eine Zukunft haben soll. Dazu müssten auch die Kliniken in Burgwedel und Lehrte geschlossen und durch einen Neubau auf der grünen Wiese ersetzt werden.

Beschließen wird der Aufsichtsrat demnächst dennoch etwas anderes. Die Klinik in Lehrte bleibt erhalten und wird, so heißt es, sogar aufgewertet. Derweil bekommt Burgwedel einen Klinik-Neubau, der am Ende noch mehr medizinische Angebote vorhalten soll. Durchgedrückt haben das die rot-grünen Regionsfraktionen, ohne Zweifel mit Blick auf den anstehenden Kommunalwahlkampf. Wer streitet schon gerne mit Bürgern, die ihr Krankenhaus behalten wollen?

Am schnellsten geschaltet hat in diesem Zusammenhang die CDU. Als man im rot-grünen Lager noch darüber nachdachte, ob man im Klinikum schmerzhafte, aber möglicherweise unumgängliche Einschnitte wagen sollte, hatte die sich schon so in den Protest gegen die Schließungen verbissen, dass SPD und Grüne am Ende Angst vor der eigenen Courage bekamen.

Ob die Entscheidung am Ende falsch ist, muss sich zeigen. Aus Sicht der betroffenen Kommunen ist die Nachricht, dass keine weitere Klinik geschlossen wird, zunächst einmal erfreulich. Dennoch wird es in Lehrte, wie es heißt, demnächst keine Chirurgie mehr geben, Schwerpunkt wird die Geriatrie sein. Eine Aufwertung der Klinik ist das sicher nicht. Die Maßnahme hat eher kosmetische und politische Wirkung.

Diskutiert werden wird nun darüber, ob das beschlossene Modell ein fauler Kompromiss oder ein Konzept mit Zukunft ist. Erste Fingerzeige dazu wird das Landessozialministerium geben. Das nämlich hat darüber zu entscheiden, ob das Land die Um- und Neubauten im Klinikum mit Millionensummen fördert. Geld gibt es nur, wenn die Entscheider echte Strukturverbesserungen sehen. Vor einem Jahr hatte das Ministerium den Erneuerungswillen des Klinikums begrüßt. Die Frage, wie überzeugend es den Kompromiss findet, könnte die alles entscheidende sein.

Bleibt die CDU. Die muss sich jetzt überlegen, worauf sie nun ihren Regionswahlkampf aufbaut, da rot-grün Luft aus dem Krankenhausstreit gelassen hat. Kann sein, dass mit Müllsäcken eine Wahl zu gewinnen ist. Die Grundthese der CDU ist in beiden Fällen gleich: Alles muss bleiben, wie es war.

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