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02:15 07.09.2017
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Die objektiv belastbare Nachrichtenlage ist wie folgt: Die CDU fand Merkel besser, die SPD Schulz, und die Opposition fand beide schlecht. Potzblitz. Was auch immer die Demoskopen nun in mühsamer Kleinarbeit aus ihrem Zahlensalat fischen werden, eins bleibt hängen: Die erhoffte Wende für die SPD hat dieses Duell nicht gebracht. Und nur um diese Perspektive konnte es für Schulz ja gehen.

Das heißt aber nicht, dass das Duell durchweg schlecht gewesen wäre. Zum Beispiel: Während die Deutschen noch in lange eingeübter Anödung die vermeintliche Langeweile des Wortgefechts beklagten, priesen zahlreiche internationale Korrespondenten schon die sachliche, engagierte, gänzlich „un-trumpeske“ Debatte zwischen Merkel und Schulz. Und leider haben sie recht. Wo gibt es das noch auf der Welt: eine 90-minütige Diskussion ohne persönliche Diffamierungen und Angriffe – und sogar, hin und wieder, mit Anzeichen gegenseitiger Achtung? So gesehen war das kein schlechter Abend. Einerseits.

Andererseits konnte man nach Ansicht der Diskussion den Eindruck bekommen, es gebe in Deutschland derzeit im Großen und Ganzen zwei Themen: Die Fehler während der Flüchtlingskrise 2015 und den Umgang mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Auf der Strecke blieben dabei wichtige Zukunftsfragen: Bildung, demografischer Wandel, Digitalisierung der Arbeitswelt, Umwelt und Energie, soziale Gerechtigkeit. Dabei wären die Antworten auf diese Fragen besonders interessant gewesen – und wohl auch weniger einvernehmlich.

Sicher lag all das auch an der Moderation. Aber wenn man ehrlich ist, bildete die Debatte den politischen Diskurs der vergangenen zwei Jahre ziemlich genau ab – und der ist zu guten Teilen ein Abwehrkampf gegen die AfD: Wer bietet mehr für innere Sicherheit, wer will die Grenzen für Flüchtlinge energischer schließen, wer schiebt schneller ab? Fast scheint es, als glaube das Land, es habe tatsächlich keine anderen Sorgen als die Flüchtlingskrise und ein paar renitente Autokraten. Und da liegt es eben falsch. Martin Schulz erfährt das seit Monaten am eigenen Leib: Er redet über Familienarbeitszeit, Rentenniveau und europäische Verfassung – und kommt in den Umfragen nicht vom Fleck. Sein Parteifreund Sigmar Gabriel dagegen warnt vor Reisen in die Türkei – und rauscht bei den Beliebtheitswerten an ihm vorbei.

Und so war eben auch dieses Duell. Nach der Flüchtlingskrise und Erdogan zu fragen war richtig, es nicht zu tun würde den Interessen der Wähler nicht gerecht. Aber es sind beileibe nicht die Kernfragen zur Zukunft Deutschlands. Die sind komplizierter. Zu kompliziert für 90 Minuten.

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