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15:18 24.02.2018
Von Karl Doeleke
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Man kann den Streit um die Kosten für Polizeieinsätze bei Fußballspielen mit einem uralten Rechtsfall erhellen, den einst schon das Preußische Oberverwaltungsgericht zu entscheiden hatte. Darin ging es um Schaufensterpuppen in Berlin, nicht um Fußball in Bremen, aber wie heute ging es um die Frage: Wen kann der Staat zur Verantwortung ziehen, wenn die Polizei einschreiten muss? Darf also die Polizei in Bremen die Deutsche Fußball-Liga (DFL) für ihren Mehraufwand bei Risikospielen zur Kasse bitten? 

Sie darf, wenn es nach dem Bremer Oberverwaltungsgericht geht. In der Begründung finden sich Teile des alten preußischen Urteils wieder. Bremen darf sich mehr als 400. 000  Euro Mehrkosten für ein Risikospiel des SV Werder gegen den HSV vor fast drei Jahren zurückholen. Hoffentlich hat die Entscheidung in der nächsten Instanz Bestand.

Die DFL argumentiert, die Sicherheit sei Aufgabe des Staates, und staatliche Aufgaben würden aus Steuern finanziert. Und: Es seien nicht die Vereine, sondern einige Fans, die den Polizeieinsatz notwendig machten. Das ist wahr. 

Dennoch ist die Entscheidung richtig. Beim Verständnis hilft der Blick nach Berlin um die Jahrhundertwende. Die Schaufensterpuppen waren damals ein ähnliches Spektakel wie das jetzt wieder anstehende Derby zwischen Bremen und Hamburg. Sie waren durch eine Mechanik im Inneren beweglich – das war um 1900 so interessant, dass die Menschenansammlung vor dem Schaufenster bald sogar den Verkehr vor dem Kaufhaus beeinträchtigte. Die Polizei musste anrücken. Das Polizeipräsidium machte später den Inhaber für den Einsatz verantwortlich – und behielt recht. Begründung der Richter: Mit den Schaufensterpuppen habe der Kaufhausbesitzer die Schaulust der Passanten anregen wollen. Also war er auch für den Tumult und die Störung des Verkehrs vor seinem Kaufhaus verantwortlich. Dieselbe „besondere Verantwortlichkeit“ für den immensen Aufwand, den die Polizei zum Schutz der Fußballspiele treiben muss, schreiben die Bremer Richter jetzt auch der DFL zu. 

Deren Widerstand gegen die Kostenbeteiligung lässt sich nicht mehr vernünftig begründen. 9,5 Millionen Euro Steuergeld hat der Schutz von Spielen in der Saison 2016/2017 allein in Niedersachsen gekostet – besonders teuer waren die Derbys zwischen Braunschweig und Hannover mit 2,5 Millionen Euro. Hunderte Polizisten waren im Einsatz, die an anderer Stelle fehlten. Gleichzeitig haben allein die 18 Clubs der 1. Bundesliga im vergangenen Sommer mehr als 600 Millionen Euro in Ablösesummen investiert, von den Gehältern gar nicht zu reden. Aus diesen Summen erwächst auch eine Verantwortung gegenüber dem Steuerzahler. Das ist am Ende eine Frage der Gerechtigkeit.   

Die Clubs geben 600 Millionen Euro für Transfers aus, aber nichts für Polizeieinsätze. Da stimmt etwas nicht.

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