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Meinung Obamas Endspurt
Nachrichten Meinung Obamas Endspurt
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02:15 23.07.2015
Von Stefan Koch
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Auf diesen Epochenwechsel haben Millionen Menschen lange gewartet. Außenminister John Kerry ließ am Montag in Washington wieder die kubanische Fahne hissen. Nach mehr als einem halben Jahrhundert wird endlich die Sprachlosigkeit unter den Nachbarn überwunden.

Die Vereinigten Staaten – und in ihrem Gefolge der gesamte Westen – reichen Kuba und dem Iran die Hand, obwohl die eigentlichen Gegensätze noch längst nicht überwunden sind. Teherans oberster Rechtsgelehrter wütete am Wochenende zwar wieder gegen die „arroganten USA“. Ähnlich klingt auch Fidel Castros Bruder Raúl, der weiterhin hohe Zahlungen von den USA einfordert, um die Schäden durch das jahrelange Embargo zu kompensieren. Die harschen Töne sollten jedoch nicht auf die Goldwaage gelegt werden: Über Jahre diente der vermeintliche äußere Feind als einigendes Band im Inneren, da fällt es den Machthabern gar nicht so leicht, die Kurskorrektur zu erklären. Ohnehin sollten die Erwartungen an die neue Entspannungspolitik nicht zu hoch sein. Und dennoch ist sie ein Glücksfall.

Die Chancen, die sich bei den früheren Gegnern ergeben, sind der neuen Gelassenheit zu verdanken, die im Weißen Haus Einzug hält. In der Machtzentrale gilt es wieder als Zeichen eigener Stärke, bisherigen Kontrahenten eine Art Vorschusslorbeeren zu gewähren, um alte Konflikte zu überwinden. Eine Strategie übrigens, die sich auch gegenüber der Kremlführung beobachten lässt: Kaum waren die Atomverhandlungen mit dem Iran gelungen, bedankte sich Barack Obama bei seinem russischen Kollegen. So mancher Politikexperte reibt sich verblüfft die Augen: Die anderthalb Jahre, die Obama noch im Amt verbleiben, erscheinen nicht mehr wie eine Restlaufzeit. Sie gleichen zunehmend einem Endspurt, auf den die Welt lange gewartet hat.

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