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Wie überfüllte Klassen den Gymnasien schaden

Kommentar zur Bildungspolitik Wie überfüllte Klassen den Gymnasien schaden

Dass über 30 Kinder in einem Klassenzimmer sitzen, ist in Niedersachsen längst kein Novum mehr. Und die Klassen an Gymnasien werden immer voller. Das ist schlecht – und auch eine Folge niedersächsischer Kultuspolitik, meint
 Saskia Döhner.

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Eher Regel als Ausnahme: Überfüllte Klassen an Gymnasien.

Quelle: ddp

In den neuen fünften Klassen, die Anfang August starten, wird es noch ein bisschen enger werden. Statt 30 oder 31 werden in zehn von 17 hannoverschen Gymnasien sogar 32 Kinder sitzen. So soll allen Familien, die ihr Kind nach der Grundschule auf einem Gymnasium anmelden, ein Platz zu garantiert werden – aber auch den Fünftklässlern, die das Schuljahr nicht geschafft haben und jetzt einen zweiten Durchgang brauchen.

Wenn alle ein bisschen zusammenrücken, dürfte es schon gehen. Aber geht es wirklich? In den Gymnasien sitzen schon längst nicht mehr homogene Lerngruppen, denen man den Stoff im Gleichschritt vermitteln kann. Dort sitzen ganz unterschiedliche Schüler. Der eine braucht mehr Zeit, um das mit dem Bruchrechnen zu verstehen, der andere ist Asperger-Autist und kann Nähe nicht vertragen, und dann sind da auch die Zuwanderer, die erst mal Deutsch lernen müssen. Um den einzelnen Schüler in den Blick zu nehmen, brauchen Lehrer Zeit – und Platz. Wie ein Pädagoge individuelle Lernentwicklung mit 30 und mehr Kindern hinkriegen soll, bleibt ein Geheimnis von Kultuspolitik.

Schon immer war das Gymnasium für Eltern attraktiv. Das Abitur scheint wie der Türöffner für eine bessere Bildung, ein Versprechen, dass der Nachwuchs es vielleicht sogar einmal noch besser hat als man selbst. Durch die Rückkehr zu dem Abitur nach neun Jahren, aber auch durch die Abschaffung der Laufbahnempfehlung und die Einführung sogenannter Lernberichte statt Noten in den Grundschulen wagen noch mehr Familien den Versuch, ihr Kind an einem Gymnasium anzumelden. Kaum jemand entscheidet sich im Zweifelsfall dafür, doch lieber eine Real-, Ober- oder Hauptschule zu wählen.

Dann wenigstens eine Integrierte Gesamtschule, aber eine Oberstufe sollte die schon haben. Zu tief sitzt wohl das Misstrauen der Eltern gegen die Durchlässigkeit nach oben. Einmal Gymnasium, immer Gymnasium, glauben sie. Und dann wird es eben voll in den Klassen – und vernünftiger Unterricht immer schwieriger.

In der Tat hat die rot-grüne Landesregierung einiges dazu beigetragen. Früher konnten Kinder mit einer Realschulempfehlung, die auf dem Gymnasium zweimal sitzengeblieben waren, nach Klasse sechs einfach „abgeschult“, also auf die Realschule geschickt werden. Das geht jetzt nicht mehr so einfach. Allerdings: Mitschüler mit Gymnasialempfehlung, die ebenfalls zweimal wiederholt hatten, durften bleiben. Gerecht war das nicht.

Vernünftige Eltern nehmen ihr Kind von der Schule, wenn es den Anforderungen nicht gewachsen ist, da braucht es eigentlich keine Vorgabe vom Land. Leider sind nicht alle Eltern vernünftig.     

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