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Meinung Der soziale Druck 
reicht noch nicht
Nachrichten Meinung Der soziale Druck 
reicht noch nicht
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02:15 28.01.2016
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Es ist erst ein paar Tage her, da haben wir erfahren, dass die 62 reichsten Menschen der Erde so viel besitzen wie die ärmere Hälfte der Menschheit. Jetzt hören wir, wie sich das in Deutschland verhält: Den oberen zehn Prozent der Haushalte gehören mehr als die Hälfte des Vermögens, die untere Hälfte besitzt gerade mal ein Prozent. Die Botschaft dahinter ist keine Neuigkeit: Die Reichen werden tendenziell immer reicher und die Armen immer ärmer.

Gewerkschaften, Sozialverbände und Kirchen empören sich immer aufs Neue, sie mögen sogar recht haben mit ihrer Einschätzung, dass eine Gesellschaft, die das toleriert, keine gute Gesellschaft sein kann. Aber es passiert so gut wie nichts. Die zunehmende gesellschaftliche Kluft zwischen Arm und Reich steht nicht sonderlich weit oben auf der Agenda der Politik. Forderungen gibt es viele: die Erbschaftssteuer kräftig anheben, eine Millionärssteuer einführen, Steuerflucht verhindern, Arbeitslöhne geringer besteuern und für gleiche Bildungschancen sorgen. Je nach der politischen Ausrichtung der jeweiligen Bundesregierung ist an diesen Stellschrauben in den vergangenen Jahrzehnten schon mehrfach hin- und hergedreht worden, aber es gibt keine grundlegende Veränderung des Trends zu melden. Die Reichen werden einfach nicht ärmer und die Armen nicht wirklich reicher.

Die Idee vom Sozialstaat sieht das Revolutionäre nicht vor, sondern setzt auf das Reformerische, die ständige Verbesserung der Verteilungsgerechtigkeit. Das Tempo hängt vom sozialen Druck ab – der ist offenbar gerade nur so stark, um einigermaßen die Balance zu halten: Veränderungen gibt es nur im Promillebereich. Hinzu kommt, dass gerade ein anderes Thema die volle Aufmerksamkeit der Regierenden verlangt: die Fremdenangst. Doch halt: Geht es nicht auch da um Armut und Reichtum?

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