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Meinung Chaoten müssen zu Hause bleiben
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02:15 14.12.2015
Von Felix Harbart
Der Regionalexpress wurde von Randalierern aus der Fanszene von Hannover 96 verwüstet. Quelle: Polizei
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Hannover

Es war nicht mehr viel übrig vom Waggon der Regionalbahn. Die Fußballchaoten von Hannover 96 haben auf ihrer Rückfahrt vom Auswärtsspiel bei Schalke 04 aus dem Wagen ordentlich Kleinholz gemacht. In Dortmund griffen sie Polizisten an, in Bielefeld zogen sie randalierend durch die Innenstadt, und kurz vor Hannover zerlegten sie den Regionalbahnwaggon, beschmierten ihn mit Farbe und Erbrochenem und verrichteten ihre Notdurft auf dem Boden. Man hat schon viel gesehen von einschlägigen 96-Chaoten, aber das war eine neue Qualität. Der Verein zeigte sich daraufhin „bestürzt“. Der neu geschaffene Fanbeirat sagte erst einmal gar nichts, bevor er das Geschehen Tage später in dürren Worten verurteilte.

Sonst passierte nichts.

Fangen wir ein bisschen weiter vorn an: In der vergangenen Saison war das Verhältnis zwischen Verein und Teilen seiner Ultras nach einigen Reibereien so schlecht, dass diese nicht mehr ins Stadion kamen. Die Folge: Kaum Stimmung bei Heimspielen, dazu (und vielleicht auch deshalb) schlechte Ergebnisse und miese Laune auch bei allen anderen Fans. Jetzt sind die Ultras wieder da. Zu verdanken war das auch dem Fanbeirat, der die Gräben zwischen Club und Ultras zuschütten sollte. Das war zeitweilig gelungen.

Der Verein offenbart Hilflosigkeit

Jetzt aber haben Teile dieser Fans offenbar ein neues Betätigungsfeld gefunden: Während sie sich bei Heimspielen im Großen und Ganzen ordentlich benehmen, lassen sie bei Auswärtsfahrten die Sau raus - auf Kosten von Bahn und Bundespolizei. Nach deren Darstellung sind die Exzesse in Bahnwaggons, wie sie zwei Wochen zuvor auch von Bremer Fans vorgeführt wurden, geplante Aktionen. Die Fußballchaoten nehmen einen Wagen ein, sperren ihn ab, betrinken sich, verweigern die Fahrscheinkontrolle - und randalieren. Das zu verurteilen, wie Verein und Fanbeirat es tun, ist keine angemessene Haltung. Es ist eine Selbstverständlichkeit.

Dass nicht mehr passiert, ist im Falle des Clubs offenbar eine Folge von Hilflosigkeit und der Tatsache, dass man die Probleme der vergangenen Saison nicht wieder aufkochen will. Beim Fanbeirat muss man den Verdacht haben, dass es eine Folge von Desinteresse ist. Wer beide nach möglichen Konsequenzen fragt, erntet erstaunte, gar empörte Reaktionen. Im Kern besagen die, dass man die Sache schon irgendwie regeln werde. Wie? Sagt man nicht.

Schwarze Schafe müssen benannt werden

Gegenüber den Polizisten, die sich Wochenende um Wochenende mit 96-Fans buchstäblich herumschlagen müssen, und Bahnmitarbeitern, die wenn überhaupt nur unter Aufbringung größten Mutes Fahrscheine kontrollieren können, reicht das aber nicht. Wenn der Fanbeirat zu etwas gut ist, müsste er jetzt von sich aus die schwarzen Schafe benennen und der Polizei bei ihren Ermittlungen helfen. Das aber, so klingt deutlich durch, erlaubt die Ultra-Ehre nicht. Und damit stellt sich die Frage, wozu es einen Fanbeirat noch braucht.

Wenn aber von dieser Seite keine Unterstützung kommt, wird der Verein sich dazu bekennen müssen, Auswüchse wie den der letzten Woche nicht mehr zu dulden. Dann muss er in Zusammenarbeit mit dem DFB auf Stadionverbote hinwirken und Auswärtskarten entziehen. Tut er das nicht, wird man vielleicht eines Tages darüber diskutieren müssen, überhaupt keine Auswärtskarten mehr an 96-Fans auszugeben.

Das Gebaren einiger hannoverscher Chaoten hat eine gewisse Tragik. Denn die Ultra-Bewegung in ihrer reinen Form ist eine erfreuliche, vielerorts wichtige Jugendbewegung. Überall im Land organisieren Ultras gute Projekte, etwa gegen Rechtsextremismus, und benutzen den Fußball als Vehikel und Projektionsfläche dafür. All das wird in Hannover, aber auch in Frankfurt oder Dortmund durch randalierende Chaoten in Misskredit gebracht. Wenn sie stark ist, sollte die Bewegung sich das nicht mehr gefallen lassen.

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