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Meinung Es kommt eben doch auf die Hunderasse an
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00:31 07.04.2018
Staffordshire-Terrier: Niedersachsen ist eines von drei Ländern ohne Rasseliste. Quelle: dpa

Niedersachsen macht es den Haltern von fast 350.000 bekannten Hunden im Land wahrlich nicht leicht. Wer ein Tier besitzt und mit ihm in Parks und auf Wegen spazieren gehen will, hat eine Fülle von Vorgaben zu beachten. Es gibt eine Versicherungspflicht für Schadensfälle, der Hund muss einen Chip unterm Fell tragen, damit sein Halter jederzeit ermittelt werden kann. Das Tier muss bei der Behörde registriert sein und die Halter müssen, wenn sie keine Erfahrung mit Hunden nachweisen können, einen „Hundeführerschein“ ablegen. Diese Sachkundeprüfung fragt zum einen theoretisches Wissen über das Tier ab, und in einer praktischen Prüfung muss Herrchen nachweisen, dass es jederzeit in der Lage ist, Gefahren vorzubeugen. Städte und Landkreise können Leinen- und Maulkorbzwang anordnen, bei Verstößen drohen hohe Bußgelder. Am Ende kann sogar die Haltung verboten werden. Jeder in Niedersachsen soll sich auf Spielplätzen, Parks und auf der Straße sicher vor Beißattacken fühlen dürfen.

So weit die Theorie. Nicht einmal ein Prozent der Hunde in Niedersachsen gilt als gefährlich. Und doch kann auch dieses erst sechs Jahre alte und von Experten als fortschrittlich und gut eingeschätzte niedersächsische Hundegesetz nicht verhindern, dass Hunde Menschen angreifen, schwer verletzen und sogar töten, selbst ihre Halter, wie in der Wohnung in Groß-Buchholz in der Nacht zu Mittwoch.

In Hannover sind offenbar eine 53-Jährige und ihr 27-jähriger Sohn von einem Staffordshire-Terrier zu Tode gebissen worden.

Ein „schreckliches Unglück“ hat die für das Hundegesetz zuständige Agrarministerin Barbara Otte Kinast das Geschehen genannt. Noch geklärt werden muss, ob dieses Unglück so völlig überraschend kam. Da ist etwa die Frage, ob das Veterinäramt der Stadt den Staffordshire-Terrier-Mischling möglicherweise schon als gefährlich eingestuft und dem Halter besondere Vorgaben gemacht hatte. Unklar ist auch, ob der Mann in der Lage war, sein Tier artgerecht zu halten. Die Umstände des Falles lassen Zweifel daran aufkommen.

Niedersachsen ist auch nur eines von drei Ländern, die keine besonderen Pflichten an die Haltung bestimmter, als besonders gefährlich eingestufter Hunde knüpfen. In Nordrhein-Westfalen etwa müssen die Behörden eine Erlaubnis erteilen, wenn jemand einen Hund halten möchte, der auf einer sogenannten Rasseliste steht. Einen Staffordshire-Terrier-Mischling dürfen dort nur besonders zuverlässige Menschen besitzen. Niedersachsen lehnt eine solche Rasseliste ab, weil die Einstufung eines Hundes per se als gefährlich allein nach der Rasse wissenschaftlich nicht zu begründen sei.

Viele sehen das anders, es ist ein Glaubenskampf. Niedersachsen sollte dennoch ernsthaft überlegen, ob es nicht zu solch einer Rasseliste zurückkehrt. Ganz verhindern wird sie Tragödien wie die von Groß-Buchholz nicht können. Aber vielleicht senkt sie die Wahrscheinlichkeit.

Weiterlesen: Warum beißt ein Hund Menschen tot?

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