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Fürs Klima ist noch nichts gewonnen

Kommentar Fürs Klima ist noch nichts gewonnen

Bei der Klimakonferenz in Paris gibt es weiter die Chance auf ein neues Abkommen. Nötig ist aber nicht nur ein neues Papier. Die Welt braucht ein Abkommen, das die Erderwärmung wirksam begrenzt. Ein Kommentar von Dirk Schmaler.

Die gute Nachricht lautet: Eine Woche nach Beginn der Mammutverhandlungen von Paris ist ein neues Klimaabkommen noch im Bereich des Möglichen. Die Stimmung ist konstruktiv, vor allem die Bremser von einst – unter anderem China und die USA – spielen sechs Jahre nach dem krachenden Scheitern des Klimagipfels von Kopenhagen eine deutlich konstruktivere Rolle. Substanzielles allerdings haben die Verhandler bisher noch nichts erreicht. Lediglich auf eine Verhandlungsgrundlage haben sich die Staaten nun einigen können. Alle strittigen Fragen sind nach wie vor ungelöst.

Nicht einmal über das langfristige Ziel besteht Einigkeit. Während die kleinen pazifischen Inselstaaten, die drohen vom Meer geschluckt zu werden, eine maximale Erderwärmung von 1,5 Grad bis Ende des Jahrhunderts fordern, ist den Ölstaaten noch das Zwei-Grad-Ziel zu ehrgeizig. Gegen den von den Industriestaaten bereits im Sommer beschlossenen Abschied von schmutzigen, kohlenstoffhaltigen Energieträgern noch in diesem Jahrhundert leistet vor allem Indien Widerstand. Und auch ein dringend benötigter Mechanismus zur regelmäßigen Überprüfung und Nachjustierung der Instrumente zur Senkung der Erderwärmung ist nicht in Sicht. Dass eine Einigung erst in letzter Sekunde erreicht werden kann, liegt an der internationalen Gipfel-Dramaturgie.

Nötig ist aber nicht nur ein neues Papier. Die Welt braucht ein Abkommen, das die Erderwärmung wirksam begrenzt. Das wird nur gelingen, wenn damit verbundene wirtschaftliche Einbußen von der Weltgemeinschaft finanziell ausreichend abgefedert werden. Das ist teuer, aber lohnenswert. Es geht um die Lebensgrundlage von Millionen Menschen, es drohen massive Fluchtbewegungen und Verteilungskämpfe. Und zwar nicht nur dort, wo der Klimawandel als Erstes Schäden anrichtet.

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