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Was man aus der Kriminalstatistik lernen kann

Kommentar zur Flüchtlingskriminalität Was man aus der Kriminalstatistik lernen kann

Laut Statistik ist die 
Zahl der Straftaten
von Flüchtlingen 
gestiegen. Das stimmt
 zwar. Doch es lohnt
sich, genau 
hinzusehen und sich 
an Fakten zu orientieren, meint HAZ-Redakteur 
Felix Harbart.

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Kann man also aus den hannoverschen Fällen der letzten Woche etwas lernen? Aus den tödlichen Messerstichen durch den jungen Syrer nur schwerlich. 

Quelle: Symbolbild (Archiv)

Hannover. Es scheint zusammenzupassen: Einerseits wurden in der vergangenen Woche in der bundesweiten Kriminalstatistik neue Zahlen über Flüchtlingskriminalität bekannt – mit dem Ergebnis, dass die Zahl der Taten 2016 gestiegen ist. Andererseits ging die Polizei zur gleichen Zeit in Hannover dreimal wegen schwerer Verbrechen gegen Flüchtlinge vor: gegen einen jungen Syrer, der sehr wahrscheinlich eine 27-jährige Südstädterin sowie einen Freund und Landsmann erstochen hat; gegen einen albanischen Clan, dem ein Blutrachemord vorgeworfen wird; und gegen eine Bande von Schleusern, die illegal Flüchtlinge nach Deutschland gebracht haben soll. Wasser auf die Mühlen der Einwanderungsgegner.

Gerade deshalb lohnt es sich, sich die Statistik genau anzusehen. Tatsächlich gibt es einen teils deutlichen Anstieg der Delikte von Flüchtlingen von 2015 auf 2016 – es gab aber auch einen deutlichen Anstieg der Flüchtlingszahlen. Und: In 81 Prozent der Fälle etwa von schwerer Körperverletung waren Flüchtlinge nicht nur Täter, sondern auch Opfer. Meist spielten sich die Taten im Umfeld der Unterkünfte selbst ab. Dass die Umstände dort ein guter Nährboden für Gewaltdelikte sind, ist mehr als plausibel. Auch Betreiber hannoverscher Flüchtlingsheime sagen: Wenn viele junge Menschen, meist Männer, ohne Perspektive auf engem Raum zusammenleben, sind Konflikte unausweichlich. Trotz allem sagt die Statistik auch: Die überwiegende Zahl der Flüchtlinge ist gesetzestreu.

Auffällig in der Statistik ist dies: Die größte Gruppe an Flüchtlingen stellen Syrer, Afghanen und Iraker – mithin jene Gruppen, deren Not und Verfolgung die Bundesregierung 2015 dazu bewogen hat, die Grenzen zu öffnen. Sie sind auch die mit der besten Bleibeperspektive. Anteilig begehen Asylbewerber aus den Maghrebstaaten, Zentralafrika und vom Balkan mehr Straftaten. Flüchtlinge also, die nach geltendem Asylrecht ohnehin eine relativ schlechte Chance haben, hierbleiben zu dürfen.

Kann man also aus den hannoverschen Fällen der letzten Woche etwas lernen? Aus den tödlichen Messerstichen durch den jungen Syrer nur schwerlich. Wie es scheint, war der Täter zum Tatzeitpunkt psychisch krank oder verwirrt. Ob das mit erlittenen Kriegstraumata zusammenhängt, weiß derzeit niemand. Der albanische Blutrache-Clan gehört einer Bevölkerungsgruppe an, die ohnehin wenig Chancen auf Asyl hat – man kann darin ein weiteres Argument dafür sehen, dass die Asylverfahren dringend beschleunigt werden müssen. Der Schleuser-Fall wiederum hat uns gelehrt, dass muslimische Flüchtlinge darin unterwiesen werden, sich als verfolgte Christen auszugeben. Diese Information immerhin kann Behörden helfen.

Wichtig ist derweil, dass über all das gesprochen und berichtet wird. Denn nur dann lassen sich die bestehenden Probleme in der Flüchtlingspolitik bekämpfen: Wenn man Fakten sprechen lässt.     

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