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Meinung Wer schaut
 nach Syrien?
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22:05 31.07.2016
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Die Welt schaut weg. Höchstens noch aus den Augenwinkeln nimmt die internationale Gemeinschaft das Drama von Aleppo wahr, wo sich momentan die größte Katastrophe des fünfjährigen syrischen Bürgerkriegs anbahnt. Monatelang schoss die Assad-Armee zusammen mit ihren Verbündeten Russland und Iran den Rebellenteil der Stadt sturmreif. Mehr als Presseerklärungen oder ein paar von den USA mühsam herausgeschlagene 72-Stunden-Feuerpausen hatte die westliche Seite diesem Abschlachten nicht entgegenzusetzen, das bald in einer fundamentalen Niederlage der moderaten Opposition enden könnte.

Es ist zu befürchten, dass das blutige Kalkül von Damaskus, Moskau und Teheran schon bald aufgehen könnte. Kapitulation oder Tod heißt die Botschaft an die 300 000 Menschen im Ostteil Aleppos. Die Angreifer werden nicht zögern, die Viertel der Aufständischen in den nächsten Monaten menschenleer zu bomben.

Der strategische Zeitpunkt für diese mörderische Militäraktion könnte kaum günstiger sein: Die amerikanische Außenpolitik ist in Frustration und Lähmung erstarrt. Präsident Barack Obama will seine Amtszeit lediglich noch ohne größere Turbulenzen zu Ende bringen, während seine Landsleute bereits im Bann des Nachfolgeduells zwischen Donald Trump und Hillary Clinton stehen. Europa ist absorbiert von seinen eigenen Dramen – Terrorserien in Frankreich und Deutschland sowie Brexit und Flüchtlingskrise.
Ähnlich abgelenkt agieren auch die regionalen Unterstützer der Rebellen. Saudi-Arabien ist seit anderthalb Jahren in einem blutigen und kostspieligen Krieg gegen seinen südlichen Nachbarn Jemen verstrickt. Und die Türkei wird nach dem gescheiterten Militärputsch von drakonischen innenpolitischen Aktionen geschüttelt.

Dem Assad-Regime und seinen Verbündeten bieten diese Wirren nahezu freie Hand, die syrische Machtlandschaft bis Ende des Jahres in ihrem Sinne zu planieren. Durch eine Rückeroberung Aleppos könnte das Regime seinen bisherigen Zweifrontenkrieg gegen moderate Rebellen und Dschihadisten beenden und durch eine einzige Front gegen die Terrorbrigaden von Al-Nusra-Front und IS ersetzen. Die moderate Opposition, deren Aufstand 2011 einen friedlichen Machtwechsel erzwingen sollte, wäre zerschmettert, die Genfer Friedensgespräche endgültig am Ende. Die Kontrolle über Aleppo wäre für Baschar al-Assad die wichtigste politische Überlebensgarantie, auch im Blick auf die mögliche Obama-Nachfolgerin Clinton, die bereits einen schärferen Anti-Assad-Kurs angekündigt hat. Denn das Ende der moderaten Opposition ließe den USA für 2017 nur noch eine einzige Option – die kürzlich mit Moskau vereinbarte Militärkooperation gegen Al-Nusra-Front und „Islamischen Staat“. Dann aber wäre Washington nichts weiter als ein neues Mitglied der Pro-Assad-Allianz.

Hillary Clinton hat die wichtigste Rede ihres Lebens gehalten. Es war ihre beste. Ein wichtiges Zeichen im Wahlkampf um das Präsidentenamt. Denn wenn ihr Gegner, der Milliardär Donald Trump, gewinnen sollte, wäre das ein fatales Zeichen. Ein Kommentar von Matthias Koch.

Matthias Koch 02.08.2016

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