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00:15 26.01.2016
Von Conrad von Meding
Eine colorierte Abbildung der historischen Markthalle. Quelle: HAZ-Archiv/Surrey/Repro
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Über Architektur lässt sich ebenso gut streiten wie über Geschmack. Was „schön“ ist und was nicht, liegt im Auge des Betrachters. Trotzdem ruft die Forderung nach Rekonstruktionen historischer Bauwerke in Hannover regelmäßig ein starkes Echo in der Öffentlichkeit hervor. Die alte Markthalle in ihrer Jugendstil­architektur wieder aufbauen? Das Ergebnis der (nicht repräsentativen) HAZ-Umfrage im Internet: 81 Prozent der Leser, die abgestimmt haben, wollen die alte Markthalle zurück. Aber sind wirklich alle Befürworter nur rückwärtsgewandte Ewiggestrige, die das Zeugnis einer unter­gegangenen Epoche zurück wollen, wie Architekten gerne unterstellen? Oder drückt sich im Wunsch nach Vergangenem auch ein Unwohlsein mit der heutigen Architektur aus, mit ihrem oft kalten und schematischen Formalismus?

Hannover hat unterm Strich gute Erfahrungen mit Rekonstruktionen gesammelt: Das Herrenhäuser Schloss, abgebrannt in den Bombennächten des Zweiten Weltkriegs, taugt in seiner wieder aufgebauten historischen Hülle mit modernem Inneren offenbar sowohl als gutes Tagungszentrum wie auch als optischer Bezugspunkt in den Herrenhäuser Gärten. Die andere bedeutende Rekonstruktion in Hannover wird schon lange nicht mehr als solche wahrgenommen: Das Leibnizhaus, eines der beliebtesten Postkartenmotive der Stadt, ist am falschen Ort als reine Fassade wieder aufgebaut worden. Wenn man ehrlich ist, dann ist auch der Großteil der Fachwerkhäuser in der Altstadt eine Rekonstruktion, größtenteils aus Originalmaterialien aufgebaut, aber als „Traditionsinsel“ nach dem Krieg zusammengestellt. Niemand stört sich daran, niemand wertet sie heute als Wiederaufbauten ab. Allerdings geht man mit Rekonstruktionen auch kein Risiko ein. Sie halten immer, was sie versprechen. Wer aber nur Altes nachbaut, nimmt der Stadt ein Stück weit die Chance zur Entwicklung.
Man sollte sich von der Vielfalt historischer Architektur nicht blenden lassen – nicht immer war alles besser.

Zwar zeigt die alte Jugendstil-Markthalle in ihrer kunstvoll-fragilen Architektur den Stolz ihrer Erbauer in jeder genieteten Stahlstrebe, jedem Buntglasfenster. Die zurückhaltend-würdevolle Nachkriegshalle kann da nicht mithalten – gewährt aber mit ihrer großartigen Verglasung Einblicke von der Straße und Ausblicke zur Stadt. Das sind Qualitäten, die mit der Vorkriegsarchitektur nicht zu erreichen sind. Was ist den heutigen Zwecken angemessener?

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Die Markthalle auf einer Aufnahme um das Jahr 1892. 

Im Moment sieht ohnehin nichts danach aus, dass es bei den Eignern eine Mehrheit für Abriss und Rekonstruktion gäbe. Vielleicht ist es Zeit für eine behutsame Erneuerung in der bestehenden Halle. Und bei anstehenden Neubauten für etwas mehr Formenreichtum in der Architektur der Stadt. Neubauten müssen nicht immer nur elegant-eintönige Fassaden haben.     

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