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Ein Slogan für die Tonne

Kommentar zum "Sackgesicht"-Slogan von Aha Ein Slogan für die Tonne

Aha hat seinen "Sackgesicht"-Slogan nach heftigem Protest schnell zurückgezogen. Vielleicht setzt sich jetzt wieder die Erkenntnis durch: Zufriedene Kunden überzeugt man durch gute Argumente – und nicht durch Beschimpfungen. Ein Kommentar von Mathias Klein.

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Quelle: Wilde

Als ob der Abfallwirtschaftsbetrieb Aha nicht schon genug Probleme hätte. Vergriffene Altpapiersäcke, verärgerte Bürger wegen der neuen Gebühr für die blauen Säcke, der Millionenflop mit der O-Tonne, niedrige Preise für Altpapier und andere Rohstoffe, Ärger um die wöchentliche Mindestmüllmenge. Und jetzt die nach massiver Kritik gestoppte Werbekampagne, in der Nutzer des blauen Abfallsacks als „Sackgesicht“ denunziert wurden. Es ist ein echtes Desaster für Aha.

Marketingexperten mögen erwidern, Werbung müsse Aufmerksamkeit erregen - da seien auch mal Provokationen erlaubt. Was das betrifft, könnte man also den Slogan „Sei kein Sackgesicht“, der die Nutzer von Altpapiersäcken zum Umsteigen auf die Tonne bewegen soll, als gelungen bezeichnen. Die Kampagne schaffte es in die Schlagzeilen. Und es gibt durchaus Menschen, die den Slogan als humorvoll und spaßig empfinden. Völlig unverständlich ist aber, dass Aha-Geschäftsführer Thomas Schwarz einen eigentlich sehr simplen Sachverhalt übersehen hat: „Sackgesicht“ ist ein Schimpfwort. Und kann es jemals klug sein, die eigenen Kunden zu beschimpfen?

Um den massenhaften Verbrauch von blauen Säcken einzudämmen, sollen Verbraucher ab dem nächsten Jahr einen Euro bezahlen. Noch besser sei es, auf die umweltfreundlichere blaue Tonne umzusteigen, rät Aha.

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Die Sache geht aber noch tiefer. Aha ist Monopolist in seinem Gebiet. Privatleute dürfen sich nicht aussuchen, bei wem ihr Müll entsorgt wird und wem sie ihre Wertstoffe anvertrauen. Aus diesem Umstand erwächst seit jeher ein gewisser, mitunter vielleicht übertriebener Argwohn.

Bei vielen Regionsbewohnern richtet sich dieser Argwohn ganz wesentlich gegen die Einführung von Mülltonnen - ob bei Papier oder Restmüll. Der Sack, den sie unbedingt behalten wollen, gibt ihnen das Gefühl, die eigenen Müllgebühren jedenfalls teilweise steuern zu können. Dass Aha viele gute Argumente für die Tonne vorbringen kann, spielt da keine Rolle.

Mit der Idee, von den Kunden für die Benutzung von Altpapiersäcken Geld zu verlangen, unternimmt Aha einmal mehr einen Anlauf, die Tonne durchzusetzen. Aber das Unternehmen sollte aufpassen: Seit einem Jahr ist das Mehrheitsbündnis in der Region eine Große Koalition. Sie hat sich darauf geeinigt, die alternative Sackabfuhr im Umland nicht abzuschaffen. Aha ist dem politischen Willen unterworfen - nicht umgekehrt.

Der Betrieb hat den Slogan nach heftigem Protest schnell zurückgezogen. Vielleicht setzt sich jetzt wieder die Erkenntnis durch: Zufriedene Kunden überzeugt man durch gute Argumente - und nicht durch Beschimpfungen.

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