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Ein erster Schritt

Kommentar zur Syrien-Krise Ein erster Schritt

Immer breiter wird die internationale Luftflotte, die in Syrien den „Islamischen Staat“ bombardiert. Dabei wiederum braucht der Westen Hilfe von zwei Staaten, mit denen er derzeit noch zu wenig spricht: Iran und Russland.  Eine Analyse von Katrin Pribyl. 

Am Donnerstag gab das Unterhaus in London grünes Licht für die Beteiligung der britischen Luftwaffe, Freitag folgt der Bundestag in Berlin mit einem Votum, das den Weg für deutsche Aufklärungsflüge mit dem Tornado ebnen soll.

Das Argument der Kritiker, Militäreinsätze könnten die Entsendestaaten zum Ziel von Angriffen der Extremisten machen, greift nicht. Denn der „Islamische Staat“ hat Großbritannien längst genauso im Visier wie Deutschland, Frankreich und jedes andere demokratische und freie Land. Dazu bedarf es nicht eines Militäreinsatzes. Die Feindseligkeit des IS erregt schon, wer seine Gesellschaft nur demokratisch und frei organisiert.

Im Fall der Briten entsteht keine völlig neue Lage. Die Royal Air Force bombardiert bereits Stellungen des IS im Norden des Iraks. Wenn nun auch IS-Formationen in Syrien angegriffen werden, schlägt London damit kein völlig neues Kapitel auf. Der IS selbst ist es gewesen, der als erster die Grenzen zwischen dem Irak und Syrien sehr weit aufgeweicht hat. Das grenzüberschreitende Treiben der Fundamentalisten erfordert eine grenzüberschreitende Antwort der westlichen Welt.

Noch immer gibt es in beiden Staaten ein Machtvakuum, in dem der IS sich ungehindert ausbreitet. Er massakriert Schiiten, er steinigt Frauen, tötet, vergewaltigt und verkauft Jesidinnen, zerstört Heiligtümer. Luftangriffe sind ein erster Schritt, werden aber allein kaum ausreichen, um den IS nachhaltig zu bremsen. Früher oder später wird man um Bodentruppen, eingebettet in eine politisch sauber konstruierte Gesamtstrategie, nicht umhinkommen. Dabei wiederum braucht der Westen Hilfe von zwei Staaten, mit denen er derzeit noch zu wenig spricht: Iran und Russland.

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