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08:15 22.11.2013
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Seit dem Sommer haben die Politiker in Niedersachsen gespannt auf das Gutachten der Historischen Kommission gewartet. Neugierig waren sie vor allem auf die Antworten auf zwei Fragen: Wie soll man umgehen mit der Erinnerung an den ersten Ministerpräsidenten Hinrich Wilhelm Kopf, dessen Rolle in der NS-Zeit nach neuesten Erkenntnissen im trüben Licht erscheint? Ist er als Profiteur der NS-Besatzungspolitik in Polen noch geeignet, ein Vorbild zu sein?

Das jetzt vorgelegte Ergebnis ist enttäuschend. Dass die Historiker sich intensiv mit der Debatte über Kopf auseinandergesetzt hätten, wie es ja der Auftrag war, wird in den acht Seiten Text nicht deutlich. Die Wissenschaftler wirken auch merkwürdig hin- und hergerissen: Einerseits betonen sie, Kopf sei kein Vorbild mehr, aber dann wird ihm zugutegehalten, dass er in der NS-Zeit kein Mitglied der NSDAP gewesen sei.

Die Empfehlung am Schluss klingt überaus merkwürdig: Die nach Kopf benannten Orte sollten nicht umbenannt werden, vielmehr solle es „eine ständig zugängliche Dokumentation zu Kopfs Tätigkeit“ geben. Das klingt nach einem Hinrich-­Wilhelm-Kopf-Gedächtnisraum in der Staatskanzlei. Aber hieße das nicht, jenen Politiker, der die Ehrung eigentlich nicht verdient, mit viel Aufwand besonders hervorzuheben?

Landtagspräsidium und Landesregierung sollten sich von den Ratschlägen der Historischen Kommission lösen und sich ihr eigenes Urteil bilden. Nach der Debatte über Kopf erscheint es schwer vorstellbar, dass ausgerechnet der Platz vor dem Landtag in Hannover noch seinen Namen trägt. Es ist der Platz neben dem Parlament, das Kopf seinerzeit ganz bewusst über seine Verstrickungen ins NS-Regime getäuscht hatte. Klaus Wallbaum

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